Tom Beetz im Interview

Pferde liebte Tom Beetz schon seit seiner frühsten Kindheit, dennoch war Reiten eigentlich immer nur Hobby und Ausgleich zu seiner zweiten großen Leidenschaft Nordischer Skisport. Viele Jahre war er Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft in der Nordischen Kombination, mehrmaliger Juniorenweltmeister und Weltcupteilnehmer. Immer wieder auftretende schwere Erkrankungen führten allerdings dazu, dass Tom seine aktive Laufbahn 2013 beenden mußte.

Das Glück meinte es aber trotzdem gut mit ihm, denn nach dem Skisport hatte er erneut die Möglichkeit, mit seiner Leidenschaft für Pferde sein Hobby zum Beruf zu machen. Was zunächst als Urlaub auf einer Westernranch in Brandenburg begann, wurde dann schnell zu Toms neuem Leben. Er absolvierte die Trainerweiterbildung im Westernreiten zum Trainer C und schloß mit Erfolg die Ausbildung zum Pferdewirt ab. Es folgte ein mehrmonatiger Aufenthalt in den USA bei namhaften Western- und Klassischreitern.

Tom Beetz
Ein Leben mit Pferden (Foto: Nina D. Fotografie)

Clinics bei Buck Brannaman, Sofia Valanca, der HorseBoy Foundation und Sliding-K Performance Horses förderten sein Interesse für unterschiedlichste Reitweisen und den Umgang mit den Pferden. Auch zurück in Deutschland bildet sich Tom immer wieder bei namhaften deutschen Trainern im Klassisch- u. Westernreiten weiter. Auf der Little King Ranch in Brandenburg hat er mittlerweile sein Zuhause gefunden.

Hier gibt Tom das Gelernte als Reitlehrer und Pferdetrainer weiter. Unterricht, Kurse, individuelles Coaching, Beritt und Korrektur gehören genauso zu seiner Arbeit wie geführte Ausritte, die täglichen Arbeiten auf der Ranch sowie in den Sommermonaten auch Reiterferien. Bei der Arbeit mit den Pferden hat Tom nach eigener Aussage seine Berufung gefunden. Da wir mehr wissen wollten über seinen Weg vom erfolgreichen Skisportler zum Pferdemenschen sowie seine Einstellung zu den Pferden, haben wir ihm einige für uns wichtige Fragen gestellt:

Tom, Pferde sind wunderbare Geschöpfe und sie faszinieren uns immer wieder aufs Neue. Daher fühlen sich auch viele von diesen edlen Tieren magisch angezogen. Wie bist du zu den Pferden gekommen und was fasziniert dich an ihnen?

Mein Patenonkel hatte einen Pferdehof. Als Kind war ich sehr oft dort, was mich wahrscheinlich infiziert hat 🙂 Die Nähe zu den Pferden mochte ich sehr, auch wenn damals an Reiten noch nicht wirklich zu denken war.

Erst einmal führte mich mein Weg zum Nordischen Skisport. Da ahnte ich noch nicht, dass die Arbeit mit Pferden meine Berufung werden würde. Was als Hobby begann, wurde mein Leben und meine Leidenschaft.

Am meisten fasziniert mich, dass Pferde uns immer wieder erden, uns zeigen, was der richtige und falsche Weg ist, wenn wir übers Ziel hinausschießen und wir dann auch unsere Emotionen im Griff haben.

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Pferde lehren uns so viel (Foto: Tom Beetz)

Haltung, Gesundheit und Ernährung sind wesentliche Punkte für das Wohlergehen eines jeden Pferdes und haben auch Einfluss auf den Umgang mit ihm. Wie leben deine Pferde und was bedeutet für dich artgerechte Pferdehaltung?

Meine Pferde leben in Robustpferdehaltung. Sie stehen das ganze Jahr draußen auf der Koppel im Herdenverband, haben immer Sozialkontakt, viel Auslauf und Bewegung, große Weiden. Ich bin sehr froh, dass ich ihnen so ein freies Leben bieten kann.

Als Tier, welches von Natur aus bei Gefahr sein Heil häufig in der Flucht sucht, stellt das Pferd besondere Anforderungen an einen artgerechten Umgang. Was ist für dich aus deiner Sicht als Trainer wichtig beim Umgang mit Pferden?

Mir ist sehr wichtig, mit viel Ruhe an die zu Sache gehen, so dass das Pferd auch die Chance hat zu verstehen, was ich von ihm will, um dann die richtige Lösung zu finden. Aber trotzdem sollte es auch immer ein konsequenter Umgang sein. Wir müssen uns immer bewusst sein, dass es zu jeder Zeit zu Situationen kommen kann, die zu Gefahren für Reiter und Pferd werden können.

Unser Ziel ist eine weitestgehend harmonische und vertrauensvolle Partnerschaft mit unseren Pferden. Es sollte nicht nur nach einem Schema gearbeitet werden, sondern versucht werden, es so angenehm und leicht wie möglich für das Pferd zu machen. Es sollte die Möglichkeit erhalten, die richtigen Antworten für die gestellten Fragen zu finden.

Dazu gehören auch öfter mal andere Wege oder Umwege, damit das Pferd es auch schneller versteht. Die Arbeitsgeschwindigkeit und was wir erarbeiten, gibt das Pferd vor. So ist es möglich, dass es Sicherheit gewinnt, wir in der täglichen Arbeit die Stärken ausbauen und festigen sowie gegebenenfalls Schwächen oder Unsicherheiten abstellen oder minimieren.

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Vertrauensvolle Partnerschaft (Foto: Tom Beetz)

Bekannte Horsemen und Pferdemenschen dienen so manchem als Vorbild für die Ausbildung seines Pferdes. Wer sind deine Vorbilder in der Pferdewelt und was fasziniert dich an ihnen?

Meine größten Vorbilder sind Ray Hunt und Buck Brannaman. Sie haben mich durch ihre Arbeit und den Umgang mit den Pferden fasziniert und meine Sicht auf die Pferde und die Arbeitsweise wesentlich geprägt. Es sind einfach für mich die größten Koryphäen.

Aber nichts desto trotz faszinieren mich alle Menschen, die mit Pferden zu tun haben. Man lernt zu beobachten und kann sich das abschauen und mitnehmen, was einem gefällt. Das Lernen über die Pferdearbeit und mit Pferden hört letztendlich nie auf.

Es ist etwas unglaublich Schönes, seinen Weg mit den Pferden gefunden zu haben. Wie würdest du deine Arbeit mit Pferden und dein Konzept beschreiben?

Ich möchte es zu meinem Ziel machen, diese wundervollen Tiere in den Ranchalltag einzubinden und sie nicht nur zu trainieren. Ich nutze das Pferd als Kamerad, der mir in vielen Sachen die Arbeit erleichtert, dabei bin ich nicht speziell in eine Richtung orientiert. Vielmehr möchte ich gerne alles mit dem Pferd machen und dies so, dass es dem Pferd und mir Freude macht, wie in einer guten Partnerschaft.

Meine Pferde werden in den Ranchalltag eingebunden, sei es Koppelkontrolle, Geländeausritte, Rinderarbeit. Natürlich verbringe ich viel Zeit mit dem Trainieren und Zureiten. Jedes dieser Tiere, die mir anvertraut werden, ist etwas Besonderes und es ist eine große und schöne Aufgabe, auf die ich mich jeden Tag freue. Ich möchte, dass es mir gelingt viele tolle Pferde-Reiter-Partnerschaften zu ermöglichen und zu begleiten.

Tom Beetz
Beginn einer Freundschaft (Foto: Tom Beetz)

Du hast 2018 zum ersten Mal als Trainer am Mustang Makeover Germany teilgenommen, einem Event der etwas anderen Art. Was hat dich dazu bewogen mitzumachen, wie hast du die 100 Tage mit deinem Mustang erlebt und was hast du für dich selbst aus dieser Zeit mitgenommen?

Ich wurde ja heimlich von den Ferienkindern der Ranch angemeldet und war ziemlich überrascht, als die Einladung kam, beim Mustang Makeover in Aachen mitzumachen. Ich fühlte mich schon geehrt, schließlich ist es keine alltägliche Aufgabe. Ich war neugierig und es hat mich interessiert, wie die Arbeit mit einem Mustang ist, wie es ist mit einem komplett wilden Pferd zu arbeiten. Also hab ich zugesagt! 🙂

Der Anfang war ziemlich schwierig, da ich an die Mustangstute nicht heran kam und daher sehr ruhig, langsam und bedacht arbeiten musste. Am meisten wurde mir in dieser Zeit bewußt, dass man kleinere Dinge wieder mehr schätzen lernen muss und auch die kleinen Schritte sehen sollte. Insgesamt war es eine sehr interessante und lehrreiche Zeit für mich.

Ich war fasziniert und beeindruckt, wie cool und gelassen die Mustangstute beim Event in Aachen war. Die vielen Eindrücke und ganzen neuen Situationen hat sie souverän gemeistert. Zu etwa 80 % konnten wir das abrufen, was wir in den 100 Tagen erreicht und erarbeitet haben. Es hat mich persönlich stolz gemacht und ich war natürlich auch sehr stolz auf „meine Mustangstute“ Amber.

Ausritt
Mustangstute Amber (Foto: Tom Beetz)

Tom, Du hast schon viel in deinem Leben erlebt. Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

So große Pläne sind das gar nicht 🙂 Natürlich möchte ich gesund bleiben, mit den Pferden alt werden, immer weiter dazu lernen und werde hoffentlich noch viele viele schöne Stunden mit diesen faszinierenden Tieren erleben.

Welchen Rat möchtest du zum Schluß anderen Pferdefreunden noch mit auf den Weg geben?

Wir denken oft zu kompliziert, zu menschlich, verlieren so die Leichtigkeit mit den Pferden zu arbeiten. Es sollte der Spaß und die Freude an der Arbeit nie verloren gehen. Ein Lächeln 🙂 (auch innerlich), sollten wir uns bewahren bei der Aufgabe, diese wundervollen Tiere zu trainieren, zu begleiten. Pferde spüren es.

Die Voraussetzung zu schaffen, dass sich viele glückliche, vertrauensvolle und harmonische Pferde-Reiter-Partnerschaften finden, ist ein schöner Erfolg in unserer nicht immer einfachen Arbeit.

Wir sollten uns trauen, über den Tellerrand hinauszuschauen, auch mal Fehler zuzulassen, die letztendlich keine „Fehler“ sind – ich nenne es Erfahrungen. Die Vielzahl dieser Erfahrungen macht doch erst eine Weiterentwicklung möglich. Jeder Tag aufs Neue ist ein stetiger Lernprozess.

Handpferd
Gemeinsam lernen (Foto: Tom Beetz)

Vielen Dank Tom für dein Vertrauen und auch deine Zeit, die du uns geschenkt hast. Wir wünschen dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg mit den Pferden.

Wer nun mehr Informationen über Tom Beetz und seine abwechslungsreiche Arbeit sucht, findet diese auf seiner Website.

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