Proteinmangel durch bedampftes Heu?

Zunehmend mehr Pferde leiden an Atemwegsproblemen, sei es auf Grund von Umweltbelastungen, nicht artgerechter Hatung z.B. in staubigen Boxen oder unsachgemäßer Fütterung durch minderwertiges Heu. Der erste Schritt sollte natürlich immer sein, die Ursachen zu abzustellen. Eine weitere Alternative für so manchen Pferdehalter stellt aber auch das Bedampfen von Heu dar.

Das Pferdefutter wird mit heißem Wasserdampf auf bis zu 100 Grad Celsius erhitzt, um schädliche Mikroorganismen abzutöten sowie Pilzsporen und Staub an das Heu zu binden, die sonst eingeatmet werden könnten. Grundsätzlich ist so behandeltes Heu für empfindliche Pferde zwar sicherer, aber die Methode bietet nicht nur Vorteile. Wie ein Team der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) bereits Ende 2022 herausfand, läuft durch die Behandlung des Heus eine chemische Reaktion ab, bei der die Proteine im Heu geschädigt werden.

Heunetz

Laut Prof. Dr. Annette Zeyner vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU kann dann ein Großteil der Proteine und der darin enthaltenen, wichtigen Aminosäuren nicht mehr im Dünndarm des Pferdes verdaut werden. Diese gehen dem Pferd also durch die Behandlung verloren. Einzelne dieser Proteinbestandteile sind für Pferde aber essenziell und sie können auch nicht über den Dickdarm aufgenommen werden. Somit kann es bei den Tieren zu Mangelerscheinungen kommen.

Um diese Vermutung nachzuweisen, untersuchten die Forschenden verschiedene Heuproben. Im bedampften Pferdefutter fanden sie vermehrt Produkte, die bei der sogenannten Maillard-Reaktion entstehen und auf eine Schädigung der im Heu befindlichen Proteine hindeuten. Dabei handelt es sich um eine Reaktion, die auch während des Kochens, Backens oder Bratens von Lebensmitteln abläuft und für die Bräunung oder die Entfaltung von Aromastoffen verantwortlich ist. Letztendlich reduzierte sich den Analysen der Forschenden zufolge der Anteil an für den Dünndarm verfügbarem Protein um fast die Hälfte.

Pferde an Heuraufe (Foto: Pixabay)

So kann es laut Zeyner zu einer Unterversorgung mit Proteinen kommen, die zum Beispiel für heranwachsende Pferde oder säugende Stuten problematisch ist: Junge Pferde benötigen Proteine für ihr Wachstum, Stuten für die Milchproduktion. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Proteinmangel sehr unspezifische Symptome bei den betroffenen Tieren hervorrufen kann. Dazu gehören etwa ein gestörter Muskelaufbau und ein stumpfes oder struppiges Haarkleid mit sogenannten Hungerhaaren (vereinzelte, lange Haare im Pferdefell).

Um diesem Risiko bei der Fütterung von bedampften Heu entgegenzuwirken, können Pferdehalterinnen und Pferdehalter die Nahrung der Tiere zum Beispiel mit hochwertigen proteinreichen Ergänzungsmitteln für Pferde* oder proteinreichem Futter wie Bierhefe und Sojaschrot anreichern.

Originalpublikation: Pisch C. et al. Effect of Hay Steaming on the Estimated Precaecal Digestibility of Crude Protein and Selected Amino Acids in Horses. Animals (2022). doi: 10.3390/ani12223092

Verwendete Quellen: Pressemeldung Informationsdienst Wissenschaft e.V.

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