Eichenprozessionsspinner und Pferde

Gefahr nicht unterschätzen

Schmetterlinge sind eigentlich gern gesehene Gäste in Wald und Flur. Mit seinen rund 3700 beschriebenen Arten allein in Deutschland ist der Falter nach den Käfern die artenreichste Insekten-Gattung. Seit einigen Jahren aber erobert ein unscheinbarer und nachtaktiver Schmetterling immer mehr Gebiete in Deutschland, von dem viele nicht gerade begeistert sind: der Eichenprozessionsspinner! Dies hat auch seinen Grund, denn die langen Haare seiner Raupen können nicht nur für uns Menschen, sondern auch für unsere Pferde gefährlich werden.

Jedes Jahr Anfang Mai tauchen sie wieder auf, die Warnschilder in Parks und Wäldern, die uns vor dem Eichenprozessionsspinner warnen. Denn dann ist die Zeit, in der sich die Raupen des Falters auf ihre Reise begeben. Im Jahr zuvor haben die erwachsenen Weibchen bereits ihre Eier im Kronenbereich bevorzugt von Eichen abgelegt, wo sich im Herbst darin Embryos entwickeln, die im Ei überwintern und dann Ende April / Anfang Mai des Folgejahres als Raupe schlüpfen. Ein milder Winter, wie in den letzten Jahren häufiger zu beobachten, fördert zudem noch die massenhafte Ausbreitung.

Warnung vor dem Eichenprozessionsspinner
Warnung vor dem Eichenprozessionsspinner

Bis sich die Raupen letztendlich verpuppen, durchlaufen sie mehrere Entwicklungsstufen. Wärend dieser Zeit spinnen sie Nester an geschützten Stellen in Bäumen, an Stämmen und in Astgabelungen. Von dort aus begeben sich die Tiere mit Beginn der Dämmerung im Gänsemarsch auf die Suche nach neuer Nahrung, die sie in Form der Eichenblätter finden. Zu erkennen sind die Raupen und ihre Nester nicht immer auf den ersten Blick, manchmal musst du schon genauer hinschauen, um sie zu entdecken.

Unangenehme Brennhaare

Zur eigentlichen Gefahr aber werden die Eichenprozessionsspinner etwa ab der dritten Entwicklungsstufe, weil sich ab diesem Zeitpunkt die gefürchteten, mit Widerhaken ausgestatteten Brennhaare ausbilden. Und diese haben es in sich: Bei Kontakt etwa durch Berührung der Raupen, mit frei fliegenden Brennhaaren, abgestreiften Raupenhüllen oder alten Gespinstnestern reizen sie die Oberhaut sowie Schleimhäute von Mensch und Tier. Durch die enthaltenen Giftstoffe werden dann allergische Reaktionen des Immunsystems auslöst, die je nach Empfindlichkeit recht heftig ausfallen können.

Nest des Eichenprozessionsspinners
Das unscheinbare Nest des Eichenprozessionsspinners

Bei Pferden führt der Kontakt mit den giftigen Raupenhärchen im Zusammenhang mit der Futteraufnahme häufig zu Schwellungen an den Nüstern oder sogar am ganzen Kopf bis hin zu Entzündungen der Mund- bzw. Maulschleimhaut. Aber auch Hautentzündungen mit starkem Juckreiz und Quaddelbildung, Nesselfieber, Atemwegsreizungen, Atemnot und Augenentzündungen können die Folge sein. Nicht immer werden diese einzelnen Sympthome sofort mit dem Eichenprozessionsspinner in Verbindung gebracht, zumal auch schon mal sehr unspezifische, den Gesamtorganismus betreffende Reaktionen zu beobachten sind.

Vorsorge

Damit es erst gar nicht soweit kommt, kannst du einige Vorsorgemaßnahmen treffen, um dich und dein Pferd vor den unangenehmen Folgen zu schützen. Zunächst einmal solltest du besonders ab Anfang Mai darauf achten, ob auf der Pferdeweide oder in der Nähe auch keine von den Larven befallenen Eichenbäume stehen. Wenn dies der Fall ist, empfieht es sich, entsprechend weiträumige Absperrungen anzubringen, damit dein Pferd nicht mit den Raupen in Berührung kommen kann. Beachte dabei aber, dass sich an windigen Tagen die Brennhärchen über weitere Entfernungen verteilen können. Auch auf die Heugewinnung auf Wiesen, in deren Umgebung sich befallene Bäume befinden, sollte eventuell verzichtet werden, da die Giftwirkung der Brennhaare über längere Zeit anhält. Daher solltest du verunreinigtes Heu auch entsorgen.

Weißes Pferd
Pferde können unterschiedliche Reaktionen zeigen (Foto: pixabay)

Entfernen lassen solltest du die Nester des Eichenprozessionsspinners übrigens niemals selbst, sondern dies immer entsprechend ausgerüstetem Fachpersonal überlassen. Ebenfalls gilt dies für die Bekämpfung mit Insektiziden, die zwar nur im Frühjahr möglich ist, aber trotzdem nicht immer hilft. Daher solltest du, wenn du mit deinem Pferd zu Fuß oder auf Ausritten unterwegs bist, Wege mit vom Eichenprozessionsspinner befallenen Eichen meiden. Warnhinweise und befristete Zugangsverbote solltest du unbedingt befolgen.

Behandlung

Ist es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch zu einem Kontakt mit den Brennhärchen des Eichenprozessionsspinners gekommen, muss die gesamte Körperoberfläche gründlich gereinigt werden. Wir selbst springen einfach unter die Dusche, sollten dabei aber nicht das gründliche Waschen der Haare und auch nicht das Wechseln der Kleidung vergessen. Dein Pferd kannst du komplett abspritzen oder abwaschen, dabei das Fell aber nicht mit den Händen reiben, sondern Handschuhe anziehen und eine Bürste benutzen. Überhaupt solltest du vorsichtig vorgehen, um lose anhaftende Brennhaare mit der Reinigungsaktion nicht noch tiefer in die Haut reiben. Eventuell bietet sich hier ein Pferdestaubsauger oder Klebeband an, um im Ernstfall die lästigen Brennhaare aus der Haut zu entfernen.

Pferd abwaschen
Bei Befall Pferd gründlich abwaschen (Foto: pixabay)

Sollten sich doch schon mehr oder weniger starke Sympthome einnes Befalls zeigen und Ausschläge oder sonstige allergische Reaktionen nicht innerhalb kurzer Zeit besser werden, empfiehlt es sich, bei einem ernsthaft betroffenen Pferd auf jeden Fall den Tierarzt zu kontaktieren. Dieser wird dann je nach Schweregrad der Symptome unterschiedliche Mittel wie z.B. Antihistaminika, Kortikoide oder bein Atemnot auch Bronchospasmolytika anwenden, um eine rasche Linderung herbeizuführen und eine Ausweitung der Sympthome zu verhindern. Für die zwar unangenehmen aber eher harmlosen Hautirritationen können lokal Salben oder Cremes eingesetzt werden.

Grundsätzlich empfiehlt es sich also, im Frühjahr die Augen offen zu halten und einem Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner aus dem Wege zu gehen. Weitere kostenlose Informationen über die Verbreitung und Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners sowie entsprechende Vorsichtsmaßnahmen findest du sowohl beim Naturschutzbund Deutschland e.V., dem Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft sowie beim Umweltbundesamt.


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