Reiten ohne Trense - besser fürs Pferd?

Wie alle Säugetiere können auch Pferde entweder Nahrung aufnehmen oder sich schnell fortbewegen. Das eine schließt normalerweise das andere aus, weil dies unter anderem durch die Anatomie im Bereich des Kehlkopfes bedingt ist. Hier kreuzen sich Verdauungs- und Atemwege und wenn jeweils ein Weg genutzt wird, schließt sich der andere. Die Nahrung wird also vom Pferd mit geöffneten Lippen aufgenommen, während es mit geschlossenem Maul galoppiert. Was hat das Ganze aber nun mit dem Reiten ohne Trense zu tun?

Wird dem Pferd ein Gebiss ins Maul geschoben, löst dies einen Reflex aus: Es öffnet die Lippen und durch die Bewegung von Lippen, Zunge und Kiefer beginnt der Speichelfluss, der weitere Reaktionen im Verdauungssystem auslöst. Die Information für das Pferd lautet: Es befindet sich Essen im Maul, ein Weitergehen wäre jetzt unnatürlich. Sobald der Reiter jetzt auch noch aufsteigt und Arbeit vom Pferd fordert, werden im sympathischen Nervensystem Abwehr- und Fluchtreflexe ausgelöst. Dr. Cook von der Tufts University in North Grafton bezeichnete dies bereits vor 20 Jahren als "neurologische Konfusion".

Gebisslos Reiten
Gebisslos Reiten (Foto: RebeccasPictures/Pixabay)

Wäre es also besser, ohne Trense zu reiten? Viele Reiter scheuen sich, es einfach mal ohne Trense zu probieren. Die meisten haben einfach Angst, dass man ein Pferd nicht ohne das viele Metall kontrollieren und im Zaum halten kann und dass es plötzlich losrennt. Dabei sind Pferde, die trensenlos aufwachsen und trainiert werden, in der Regel völlig ohne Probleme zu reiten. Und die mit Trense gerittenen Pferde lassen sich mit entsprechendem Einfühlungsvermögen ebenfalls schnell umstellen - das zumindest behauptet Sabine Keilwerth vom Pferdehof Steinhauser. Sie sagt sogar, dass besonders die schwierigen Pferde dankbar dafür sind.

Sie sollte es wissen, denn seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie in ihren Trainings ohne Trensen. Dass es zu unkontrollierten Bewegungsabläufen kommt, weist die Trainerin entschieden zurück, schließlich sei die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter ohne Trense viel intensiver, weil das Pferd mit dem ganzen Körper des Reiters gelenkt wird und nicht nur durch ein Ziehen am Zügel. Vor allem Erwachsene seien skeptisch, wenn sie auf die bekannte Trense verzichten sollen, während Kinder sehr schnell ein vertrauensvolles Verhältnis zum Tier entwickeln. Sie verstehen die Körpersprache des Pferdes intiutiv und gehen völlig ungezwungen damit um.

Einfühlungsvermögen, Sensibilität, Verständnis, aber auch die Kommunikationsfähigkeit werden gestärkt, sobald man sich einmal auf das Reiten ohne Trense eingelassen hat, weiß die Expertin. Und wer es einmal erlebt hat, verzichtet gern auf das Metall im Maul seines Pferdes. Hast Du die Erfahrung auch schon mal gemacht und wie stehst Du zum Reitten ohne Gebiss?

Verwendete Quellen: Pressemeldung Pferdehof Steinhauser

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„Auf ein Pferd, das aus Angst gehorcht, ist kein Verlass. Es wird immer etwas geben, vor dem es sich mehr fürchtet, als vor dem Reiter. Wenn es aber seinem Reiter vertraut, wird es ihn fragen, was es tun soll, wenn es sich fürchtet."

Antoine de Pluvinel

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