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Angst vorm Galoppieren? Das muß nicht sein…

Die Angst vor Kontrollverlust schwingt bei vielen Reiter:innen mit, wenn sie im Sattel sitzen. Ganz besonders der Galopp ist für „Angstreiter“ eine große Herausforderung. Nicht selten finden sie immer wieder Ausreden, nur um ja nicht galoppieren zu müssen. Jemand, der sich mit diesem Thema auskennt, ist Birgit Heigel. Als Reitercoach hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrem selbst entwickelten Konzept Reitercoaching „Angstreitern“ wieder Spaß und Freude an ihrem Hobby zu geben.

Ein Klagelied

Zu Birgits Kunden gehört auch Sabine, die ein leidvolles Lied von der Angst beim Reiten singen kann. Vor drei Jahren ist sie von ihrem 9jährigen Oldenburger Warmblut “Timmy” böse gestürzt. Körperlich ist mittlerweile alles wieder gut und es ist auch nichts zurückgeblieben – außer der Angst. Den Kontrollverlust erleben zu müssen, keinerlei Einfluss zu haben und schließlich schmerzhaft auf dem Boden zu landen, diese Erfahrung sitzt tief. Sabine hat sich zwar ein Stück weit in den Sattel zurückgekämpft, aber die Angst ist trotzdem immer da und Galopp geht gar nicht mehr…

Galopp
Foto: Pixabay

Schöne Zeiten

Hier kommt Birgit Heigel ins Spiel, Reitercoach und Expertin für Ängste rund ums Pferd. Für sie ist vor allem am Anfang eines Coachingprozesses dass Wichtigste, dass die Menschen erstmal einfach nur erzählen dürfen. Das jemand da ist, der „einfach nur“ zuhört und nicht gleich alles in Gut oder Böse, richtig oder falsch einordnet. Das schafft die erste Erleichterung, denn der Druck ist oft immens. Vor allem, weil der Vergleich zu früher, wo alles besser, einfacher und leichter war, immer präsent ist und noch zusätzlich belastet.

Überforderung

Wenn die Angst so präsent ist, dann ist man schnell überfordert – das ist ganz normal. Ist das Herz aber erst einmal ausgeschüttet, dann wird es konkret. Eine der größten Überforderungen, mit denen sich ein „Angstreiter“ konfrontiert sieht, sind unklare, verworrene und viel zu große Ziele. Birgit Heigel vergleicht das gerne mit einer Besteigung des Mount Everest. Mit einem unklaren Ziel, das auch noch völlig überfordert, fühlt es sich an, als ob man am Fuße des Berges stehst, ohne Ausrüstung. Völlig untrainiert und im Blick nur das eine Ziel: Den Gipfel.

Wer würde da nicht Schnappatmung und Panik bekommen? Aber muß man sich das Leben so schwer machen? Daher schaut Birgit Heisel gemeinsam mit Sabine zunächst auf deren Ziel. Diese würde gerne wieder in der Halle und im Gelände galoppieren, ohne sich Stunden oder sogar schon Tage vorher auszumalen, was alles passieren könnte. Für Birgit Heigel ist das aber viel zu ungenau. Ein schöner Wunsch, ganz nett vielleicht, aber mehr nicht. Wer nicht ganz genau weiß, wohin er will und wie man es angeht, tut sich schwer, überhaupt anzufangen.

Ein klares Ziel

Daher legt Birgit Heigel großen Wert auf eine klare und einfache Zielformulierung. Im Fall von Sabine fragt sie vorher genau nach, was ihr Ziel vollumfänglich für sie beinhaltet. Z.B. was Galoppieren genau für sie bedeutet und was sie im Einzelnen erreichen möchte. Damit wird das alles sozusagen unter das endgültige Ziel gelegt. So weiß Sabine, was für sie dazugehört und sie muss es nicht immer wieder vollständig aufzählen. Das macht es deutlicher einfacher damit zu arbeiten, weil es keine Erklärungen mehr braucht.

Am Ende der intensiven Zielarbeit steht Sabines Zielsatz fest: „Ich galoppiere mit Timmy in der Halle.“ Mehr braucht es nicht. Das war aber erst der Anfang, denn Birgit Heigel geht sofort weiter und leitet Sabine an, ihr frisch formuliertes Ziel erneut zu hinterfragen.

Mach´s Kleiner

Die wichtigste Maßnahme auf dem Weg zum „Gipfel“ ist, sich Zwischenziele zu setzen. Wenn wir wirklich ins Tun kommen wollen, sollten wir unsere Ziele kleiner machen. Sabines erstes Zwischenziel ist schnell klar: „Wenn ich mich mit dem Gedanken an den Galopp so dermaßen ausbremse, dann streiche ich den Galopp erst einmal. Mein erstes Ziel ist nicht galoppieren. Dass ich das nicht schaffe, weiß ich nur zu gut.“ Daher setzt sich Sabine als erste Etappe das „Angaloppieren“. Damit fühlt sie sich schon erheblich leichter. Mach´s kleiner! ist also eine ganz wichtige Maßnahme, um die ersten Schritte aus der Angst heraus wagen zu können.

Als es dann aber für Sabine ans Umsetzen geht, mogelt sich die Angst schnell wieder in den Vordergrund. Für Birgit Heigel ist es daher so wichtig, dass Sabine versteht, wie sie sich das Leben mit zu großen Schritten so richtig schwer macht. Denn auch, wenn sie ihr Ziel mit dem „Angaloppieren“ schon sehr reduziert hat, ist es für den Anfang immer noch zu groß. 

Schritt für Schritt

Ein Zwischenziel besteht aus Einzelschritten. Ein wichtiger Baustein in Birgit Heigels Arbeit ist die Erarbeitung dieser Einzelschritte, die immer individuell auf den Einzelnen zugeschnitten sein müssen. Alles andere macht keinen Sinn und erschwert nur das Vorankommen. Ganz wichtig ist dabei: Am Anfang gibt es keine zu kleinen Schritte. Je kleiner, umso besser, denn dann bekommt Sabine genügend Sicherheit, um auch anfangen zu können.

So darf sie zunächst überlegen, wie sie das Angaloppieren mit Timmy angehen möchte. Birgit Heigel leitet sie dabei an, verschiedene Möglichkeiten mental durchzuspielen. Damit Sabine herausfindet, welcher Weg für sie am einfachsten umzusetzen ist und ob es auf dem Weg dahin vielleicht noch andere Blockaden in ihr gibt, die ihr das Angaloppieren erschweren. Die mentale Vorbereitung ist daher in Birgit Heigels Arbeit ein absoluter Schwerpunkt. 

Dadurch erfährt Sabine schon ganz viel darüber, was ihr leichter fällt und was sie eher belastet. So findet sie heraus, wo Emotionen stecken, die sie lieber nicht wieder wecken will und ob die gewählten Schritte wirklich passend und klein genug sind. Das geht alles ohne Pferd und dadurch kann sich Sabine voll auf sich konzentrieren.

Sicherheit

Birgit Heigel zieht anfangs den Rahmen, in dem Sabine und Timmy sich bewegen, sehr eng, denn hier geht es um Sicherheit und um Sabines Selbstvertrauen, das aktiviert werden soll. Nur dann kann sie das Erarbeitete auch umsetzten und Erfolge verbuchen. Und mit jedem Erfolg, den Sabine durch ihr eigenes Tun erlebt, wächst ihre Motivation weiterzumachen und dranzubleiben. Vor lauter Begeisterung, dass das wirklich klappt, sollte man sich jetzt aber nicht überfordern, denn Schnelligkeit und Angst sind keine gute Kombination und das Neue muss sich natürlich erst festigen. 

Vertrauen zum Pferd
Foto: Rebecca Scholz / Pixabay

Planvoll währt am Längsten

Also darf sich Sabine jetzt einen Plan zurecht legen, wie sie loslegen wird. Putzen, satteln und in die Halle gehen sind kein Problem für sie. Sobald sie aber daran denkt, loszureiten, bemerkt Sabine, wie sich in ihrem Bauch ein mulmiges Gefühl ausbreitet. Das Aufsteigen ist noch ok., aber in Bewegung kommen macht ihr das erste Unwohlsein. Damit steht der erste Schritt ihrer Strategie fest: Anreiten üben.  

Sabine soll nach dem Aufsteigen zunächst einfach nur im Sattel Platz nehmen, tief einsitzen, durchatmen, Verbindung zum Pferd aufnehmen und zur Ruhe kommen. Wenn das gut klappt, sie ihre Ruhe im Sattel wirklich spürt, dann soll sie ans Anreiten denken und Timmy einen Schritt antreten lassen. Durchparieren. Stehen. Ruhe spüren. Wenn sie das souverän schafft, dann geht es Stück für Stück weiter. 

So arbeiten die beiden eine ganz konkrete Strategie und Herangehensweise aus, wie Sabine zunächst die Hürde „Anreiten“ meistert, damit sie dann das Angaloppieren auf genau dieselbe Art und Weise angehen und umsetzen wird.

Das große Ziel

Birgit Heigel ist sich sicher: Wenn Sabine das Prinzip erst einmal verstanden hat, dann kann sie sich damit fast alles erarbeiten. Wenn das Angaloppieren normal für sie geworden ist, dann wird es weitergehen. Dann kommt natürlich der Galopp als Programmpunkt auf den Plan. Aber auch hier wird Sabine nicht gleich rundenweise und minutenlang vor sich hingaloppieren. Auch das wird sie sich von Grund auf erarbeiten. Sich eine stabile und sichere Basis damit schaffen, auf der sie aufbauen kann. Und zum Schluss wird sie galoppieren. In der Halle, im Gelände, minutenlang, gesetzt oder auch mal ein Wettrennen. Wenn sie das denn möchte…

Verwendete Quellen: Pressemitteilung Birgit Heigel


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„Auf ein Pferd, das aus Angst gehorcht, ist kein Verlass. Es wird immer etwas geben, vor dem es sich mehr fürchtet, als vor dem Reiter. Wenn es aber seinem Reiter vertraut, wird es ihn fragen, was es tun soll, wenn es sich fürchtet.“

Antoine de Pluvinel

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