Pferdethermografie – was ist das eigentlich?

Immer häufiger liest man von der Pferdethermografie. Bei der Fédération Équestre Internationale (FEI) ist die Methode bereits fester Bestandteil der Gesundheitsuntersuchungen bei Pferden und gerade im anglo-amerikanischen Raum steht sie gleichberechtigt neben Ultraschall und Röntgen. Doch was genau ist die Thermografie und wie funktioniert sie? Robin und Pia Barth haben sich neben der Pferdefotografie auf die Pferdethermografie spezialisiert und gewähren uns einen Blick hinter die Kulissen. Nachfolgend erklären sie uns, wie dieses Verfahren funktioniert und welche Möglichkeiten es in der Anwendung bietet:

Pferde und Wärme

Der Pferdekörper erzeugt kontinuierlich Wärme. Diese ist für ihn lebensnotwendig und ein Ergebnis des internen metabolischen Prozesses. Während des Stoffwechsels werden Nährstoffe, insbesondere Kohlenhydrate, Fette und Proteine durch oxidativen Abbau in Energie umgewandelt. Diese chemischen Reaktionen erzeugen Wärme praktisch als Nebenprodukt. Durch verschiedene Prozesse wird die Wärme im Körper verteilt – neben der Konduktion über feste Materie ist vorwiegend der Transport über das Blut, physikalisch Konvektion genannt, maßgeblich.

Damit ist die Steuerung des Blutflusses im Körper ein wichtiger Faktor bei der Regulierung des Wärmetransports. Erreicht die Wärme dann die Oberfläche des Körpers, wird sie an die Umgebung abgegeben. Dieser Prozess ist durch drei Mechanismen geprägt: den direkten Wärmeaustausch mit der Luft über Konvektion analog zum Blutfluss, die Abstrahlung von Wärme in Form von Infrarotstrahlung und die Evaporation, das Verdunsten von Schweiß. Je nach Umgebungstemperatur verschieben sich dabei die Gewichtungen zwischen den drei Prozessen.

Grundlage der Thermografie

Thermografie basiert auf der zweiten Methode. Infrarotstrahlung ist ein Teil des elektromagnetischen Spektrums zwischen den Mikrowellen und dem sichtbaren Licht. Die Haut von landlebenden Säugetieren emittiert am meisten Strahlung im Wellenlängenbereich von 5 bis 15 µm. Deshalb wird dieser Bereich vorwiegend für die Pferdethermografie genutzt. Die emittierten Infrarotteilchen, Photonen genannt, werden mit Hilfe spezieller Sensoren gezählt. Von der gezählten Summe kann man mithilfe des sogenannten Emissionskoeffizienten auf die Temperatur der fotografierten Oberfläche zurückrechnen.

Dieser empirisch ermittelte Wert bestimmt, wie viele Teilchen ein Körper bei welcher Temperatur innerhalb einer festen Zeit abstrahlt. Für die menschliche Haut liegt der dimensionslose Wert in etwa bei 0,95 und für Tiere mit Fell um die 0,86. Nun ist ein Schwarz-Weiß-Bild entstanden, bei dem die Helligkeit eines jeden Pixels eindeutig zu einer Temperatur auf dem Pferdekörper zugeordnet ist. Die bekannten bunten Bilder entstehen im letzten Schritt durch eine künstliche Falschfarben-Skala, mit der das Bild überlagert wird. Dies hilft dabei, feine Unterschiede besser sichtbar zu machen. Die Thermografie ermöglicht es daher über eine berührungslose und stressfreie Methode, Effekte aus dem Inneren Deines Pferdes zu messen.


Eine Thermografie von einem Pferd in Ruhe (Foto: Robin Barth)

Durchführung einer Thermografie

Thermografische Aufnahmen werden letzten Endes also mit einer Kamera gemacht; man darf jedoch nicht vergessen, dass es sich im Gegensatz zur Fotografie um ein präzises Messverfahren handelt. Als solches benötigt es klar definierte Randbedingungen, genaue Vorbereitungen und sorgfältiges Arbeiten, um am Ende aussagekräftige Ergebnisse zu liefern. Neben einwandfreiem und regelmäßig kalibriertem Equipment bedeutet dies vor allem, dass das Pferd und der Untersuchungsort entsprechen vorbereitet werden müssen.

Das Pferd sollte vor dem Termin locker eingeflochten werden, sodass der Körper gut zu sehen ist. Auch Decken, Gamaschen, Bandagen sowie Dreck im Fell müssen mit etwas Vorlauf vom Pferd entfernt werden, damit sich die Durchblutung wieder normalisieren kann. Bei einem guten Pferdethermografen bekommt Ihr hier eine genaue Anleitung oder Checkliste mit allem, was ihr tun und beachten müsst. Der Ort für die Aufnahmen sollte windstill, möglichst staubfrei und ohne direkte Beleuchtung sein; all dies sind Faktoren, die die Wärme auf der Körperoberfläche beeinflussen und die Messung damit verfälschen.

Ein professioneller Thermograf beginnt mit dem Gespräch über Alter, Vorerkrankungen und andere wichtige Punkte zu Deinem Pferd. Am Ende bleibt es eine Dienstleistung mit einem medizinischen Bezug und sollte daher nur entsprechend informiert stattfinden. Dann werden je nach Ergebnis der Vorbesprechung und den Untersuchungswünschen diverse Aufnahmen Deines Pferdes von verschiedenen Seiten und Blickwinkeln angefertigt und im Nachgang sorgfältig mithilfe spezieller Software und Erfahrung des Thermografen ausgewertet. Im Anschluss erhältst Du einen Bericht, der mindestens die folgenden Informationen beinhalten sollte: die Identifikation und Anamnese des Tieres, Daten zum Thermografen und der verwendeten Wärmebildkamera, die Umgebungsbedingungen sowie die Bilder und deren Auswertung auf Basis etablierter Kriterien.


Auszug aus einem normgerechten thermografischen Bericht – Anamnese aus Datenschutzgründen nicht dargestellt (Foto: Robin Barth)

Diagnostische Möglichkeiten der Thermografie

Die häufigste Verwendung der Thermografie findet sich bei der Erkennung von Verletzungen bei Pferden. Aufgrund der hohen Genauigkeit der verwendeten Kameras können Probleme sichtbar gemacht werden, bevor für den Besitzer Wochen später sicht- oder fühlbare Folgen wie Schwellungen oder Lahmheit auftreten. Konkret lassen sich in aller Regel folgende Typen von Verletzungen und klinischen Symptomen mit einer Wärmebildkamera in der gewohnten Umgebung sichtbar machen:

• Verletzungen am Weichgewebe wie Wunden, Hämatomen, Muskelrissen, Verspannungen und Entzündungen 
• Verletzungen an Sehnen und Bändern sowie Entzündungen, Blockaden oder Schäden in Gelenken
• Frühe Anzeichen von Hufabszessen, Hufrehe, Hufgeschwüre oder anderen Hufproblemen
• Durchblutungsstörungen aufgrund von Gefäßerkrankungen, Verletzungen oder Problemen im Bereich der Nerven.

Ein deutlich sichtbarer Sehnenschaden am rechten Vorderbein (Foto: Robin Barth)

Ein weiterer Schwerpunkt der Thermografie liegt in der Optimierung des Wohlbefindens sowie der Leistungsfähigkeit wie auch -bereitschaft Deines Pferdes. Neben Dysbalancen des Pferdes, können Trainingszustand, Händigkeit sowie die Nutzung der verschiedenen Muskelgruppen analysiert werden. Auch die Überprüfung der genutzten Ausrüstung wie Sattel, Trense und Sattelgurt kann intensiv überprüft werden. Der Vorteil ist dabei, dass in diesem Rahmen das Zusammenspiel und die Wechselwirkung zwischen Ausrüstung und Pferd objektiv sichtbar gemacht wird.

In Kombination mit einer eingehenden klassischen Überprüfung ermöglicht dies eine deutlich bessere Anpassung an das Pferd und damit eine bessere Einwirkung und Lastverteilung. Ist das Pferd erst einmal als Referenz vermessen, kann man im letzten Schritt den Sitz und die Hilfengebung des Reiters analysieren. Hieraus können dann, beispielsweise mit Deinem Trainer zusammen, konkrete Aktionen für das künftige Training und die reiterliche Einwirkung abgeleitet werden. Die Thermografie bietet somit eine ganzheitliche Beurteilung Deines Pferdes, sowohl präventiv als auch zur Beurteilung konkreter Probleme.


Auf der Sattelthermografie sichtbar ist eine ungleichmäßige Polsterung der Kissen, ein leichtes Drücken des Sattels sowie eine Schieflage auf dem Pferd (Foto: Robin Barth)

Einen professionellen Thermografen finden

In Deutschland sind Pferdethermografen zwar eher noch die Ausnahme, es gibt derweil aber in fast jedem Bundesland ein paar Ansprechpartner. Einen guten Thermografen erkennt ihr an mehreren Punkten: neben einer ausführlichen Vorbesprechung legt er penibel Wert auf die Einhaltung aller wichtigen Randbedingungen und dokumentiert die Untersuchung ausführlich in einem digital gelieferten, schriftlichen Bericht. Gängige Richtlinien, die eingehalten werden sollten, sind z. B. die Tierschutzgesetze, die AAT Veterinary Guidelines sowie diverse ISO-Standards. Es ist ebenfalls ein gutes Zeichen, wenn der Thermograf eigene Forschung betreibt oder einer Forschungsgruppe angehört. Dies ist oft ein Zeichen für umfangreiches Fachwissen, Erfahrung auch mit ungewöhnlichen Fällen und hohe ethische Standards.

Die Thermografie ist zwar eine Dienstleistung mit Bezug zur Tiermedizin, muss aber nicht verpflichtend von einem Tierarzt durchgeführt werden. In aller Regel sind Thermografen sogar keine Tierärzte, sondern kommen aus dem technischen Bereich. Sie arbeiten aber natürlich eng mit Tierärzten, Physiotherapeuten und anderen medizinischen Berufen zusammen. Zum Schluss bleibt zu sagen, dass gute Arbeit und hochwertige Ausrüstung entsprechend teuer sind. Eine Pferdethermografie ist zwar oftmals günstiger als eine Untersuchung eines Tierarztes (oder ergänzt diese entsprechend), unter 120 € für ein Ganzkörperscreening in Ruhe bekommt ihr in aller Regel aber keine seriösen Leistungen.

Über RP Photographie

Wir sind ein etablierter Anbieter im Bereich der Pferdethermografie und decken mit unserer mobilen Thermografie ganz Bayern ab. Entstanden ist unsere Dienstleistung, da wir selbst Probleme bei unserem Pferd hatten, bei denen uns niemand weiterhelfen konnte. Eine passende universitäre, wissenschaftliche Ausbildung gab uns den Anstoß, selbst aktiv zu werden. Mit Schulungen, Weiterbildungen, Kooperationen und viel Erfahrung aus eigenen Studien verfügen wir derweil über ein fundiertes Fachwissen zu Technik und Pferden. Mit normenkonformen und zu tierärztlichen Anforderungen kompatiblen Anamnesebögen und Auswerteberichten liefern wir Dir in der gewohnten Umgebung Deines Pferdes professionelle und reproduzierbare Untersuchungen. Dabei haben wir immer das Wohl Deines Pferdes im Blick, getreu unserem Motto „Photographie mit Herz“.

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