Saisonale Weidemyopathie

Ahornbäume auf Pferdeweiden

Mit Beginn des Herbst ist für viele Pferdebesitzer jedes Jahr die Weidesaison ihrer Pferde zwar beendet, manche Pferdehalter aber ermöglichen ihren Tieren noch bis in den Winter hinein regelmäßigen Weidegang. Gegen eine solche Praxis spricht grundsätzlich auch nichts, allerdings sollten Tierhalter dann nicht nur den Zustand der Weiden im Auge behalten, sondern auch den eventuell vorhandenen Baumbestand. Vor allem auf Ahornbäume ist dabei zu achten.
Bergahorn
Der Bergahorn kann eine Gefahr darstellen (Foto: pixabay)

Dies hat einen guten Grund, denn die Ergebnisse von Studien haben ergeben, dass Samen und Keimlinge vom Bergahorn die Ursache für die fast immer tödlich verlaufende, sogenannte atypische Weidemyopathie sind. Davon betroffen sind in der Regel Pferde, die auf Koppeln und Ausläufen gehalten werden, in deren Nähe sich Ahornbäume befinden. Normalerweise fressen die Tiere den Samen der Ahornbäume nicht, wenn das Futterangebot aber zu gering und die Weide nur spärlich bewachsen ist, sinkt die Hemmschwelle. Die giftige Aminosäure Hypoglycin A (HGA), welche im Samen des Bergahorns vorhanden ist, kann dann für verheerende Folgen sorgen.

Sobald die Pferde den Samen nämlich gefressen haben, wird er im Magen-Darm-Trakt aufgespalten und das Hypoglycin A freigesetzt. Nach der Umwandlung im Körper gelangt der Stoff dann in die Zellen, wo er für die Hemmung des Fettstoffwechsels sorgt. Dies hat zur Folge, dass die Fettstoffe, vor allem die in den Muskel-Zellen, blockiert werden und so für ein Energiedefizit sorgen. Gerade im Herbst ist das ein Problem, wenn der Energiehaushalt vieler Pferde eh schon stark belastet ist z.B. wegen des Fellwechsels. Problematisch kommt hinzu, dass nach Aufnahme des Ahorn-Samens erst nach ein bis zwei Tagen Symptome der atypischen Weidemyopathie auftreten. Außerdem sind diese auch oft nur schwierig auf den ersten Blick zu erkennen.

Ahornsamen
Samen des Bergahorn (Foto: pixabay)

Dunkel gefärbter Urin (rot bis schwarz), steifer Gang, erhöhte Herz- und Atemsequenz bei normaler Temperatur, gerötete Schleimhäute, Schwäche, Teilnahmslosigkeit mit hängendem Kopf und nachfolgenden Wassereinlagerungen im Kopf, Zittern, Steifheit bis hin zum Festliegen, Kolik-Symptome, Nahrungsverweigerung oder gestörter Appetit - dies alles können Anzeichen für eine atypische Weidemyopathie sein. Allerdings verläuft das Krankheitsbild bei jeden Pferd anders. Den verfärbten Urin weisen hingegen fast alle betroffenen Pferde auf, denn durch das Hypoglycin A werden die Muskelzellen zerstört und bei deren Abbau wird der Farbstoff Myoglobin der aeroben Muskeln freigesetzt und durch die Nieren ausgeschieden.

Die Todesrate ist im Vergleich zu den ersten Fällen in den 90er Jahren zwar gesunken, dennoch endet die atypische Weidemyopathie für viele Pferde oftmals tödlich. Als tolerierbare Dosis für ein Pferd wird die Aufnahme von 165 bis zu 8.000 Samen des Bergahorn angesehen. Da ein Baum aber leicht 500.000 Samen und mehr trägt, ist eine Überdosis und somit Vergiftung bei entsprechend hoher Konzentration des Hypoglycins A nicht auszuschließen. Vorbeugen läßt sich hier nur, wenn die Beweidung gefährdeter Flächen mit vielen Ahornbäumen in der Risiokozeit (Herbst und Frühling) eingeschränkt oder gemieden wird. Auch das Absammeln der Ahornsamen ist natürlich möglich, durch den Wind können aber weiterhin Samen auf die Weide geweht werden. Weiterhin ist es für die Vorbeugung auf jeden Fall wichtig, dass immer genügend artgerechtes Futter zur Verfügung steht - Zugang zu gutem Heu sollten Pferde eh das ganze Jahr über haben.

Pferde auf der Weide
Beim Weidegang ist Vorsicht geboten (Foto: pixabay)

Bei allen auftretenden Symptomen, die vielleicht zunächst auch für eine andere Erkrankung wie z.B. Kolik sprechen, sollten wir speziell im Herbst immer auch die Möglichkeit einer atypischen Weidemyopathie in Betracht ziehen und beim Auftreten erster Anzeichen umgehend den Tierarzt kontaktieren. Nur dann besteht die Möglichkeit, anhand einer Blut- und Harnuntersuchung Klarheit zu schaffen und bei einem positiven Befund Kortison, Antibiotika und Schmerzmittel zu verabreichen, um so Schlimmerem vorzubeugen.


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