Mögliche Gefahren beim Reiturlaub

Ferien auf dem Immenhof – die Älteren kennen diese Filme noch und auch heute träumt so manches Mädchen vom Urlaub auf dem Ponyhof. Aber auch viele Erwachsene verbringen ihre Ferien gerne auf dem Rücken eines Pferdes. Damit das tatsächlich ein unvergesslich tolles Erlebnis wird, sollte man sich im Vorfeld Klarheit über mögliche gefährliche Situationen und Verantwortlichkeiten verschaffen. Experten der ARAG haben dafür einige Punkte zusammengefasst:

Traum vieler Mädchen (Foto: Petra / Pixabay)

Reiturlaub für die Kleinen

Urlaub auf dem Ponyhof – und das noch ohne Mama und Papa – das ist für viele Kinder ein Highlight. Damit aber auch die Eltern die Zeit ohne ihre Sprösslinge beruhigt genießen können, sollten sie den Anbieter sorgfältig aussuchen. Es empfiehlt sich, dabei auf Qualitätssiegel zu achten, die darauf hinweisen, dass sowohl die Unterkunft, der Umgang mit den Tieren als auch Kinderfreundlichkeit und -sicherheit geprüft wurden. So gibt es unter anderem die Zertifizierung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), das Gütesiegel der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) oder das Gütesiegel des Deutschen Tourismusverbandes (DTV).

Wenn entsprechende Auszeichnungen vorhanden sind, kann man zumindest davon ausgehen, dass bei einem Reiturlaub für Kinder auch entsprechende Aufsichtspersonen wie Pferdepfleger und Reitlehrer dabei sind. Aber selbst, wenn diese ihre kleinen Gäste sicherlich darin schulen, wie man mit den Tieren umgeht, sollte der Nachwuchs bereits zu Hause über mögliche Gefahren aufgeklärt und sensibilisiert werden. Allerdings haften Eltern vor Ort nicht für ihre Kinder, denn diese Haftung greift laut Bürgerlichem Gesetzbuch nur dann, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Und die geht mit dem Anbieten von Kinderferien auf den Betreiber des Ponyhofs über.

Ponyführen mit Kindern

Der erste Kontakt mit dem Pferderücken findet oft schon in jüngsten Jahren statt. Gerade im Urlaub trifft man oft auf Höfe, bei denen man geduldige Ponys leihen kann, die sich von den Eltern führen lassen. Das ist allerdings gar nicht so harmlos, wie es wirkt. Denn letztendlich ist ein Tier ein Lebewesen und kein Sportgerät und somit nicht zu einhundert Prozent einzuschätzen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn die führende Person selbst keine Erfahrung mit Pferden hat. Doch selbst dann haften nicht die Eltern, sondern der Betreiber.

So zumindest entschied zum Beispiel das Oberlandesgericht Oldenburg bei einer Klage eines schwer verletzten Mädchens gegen den Hofbesitzer zugunsten der Mutter und sah kein Mitverschulden bei ihr. Nach Ansicht der Richter könne man davon ausgehen, dass „ein Pony, das zum Ausreiten vermietet wird, eine gewisse Routine bei Ausritten hat und im Gelände nicht nervös wird oder besonders gesichert werden muss, zumal ihr das Tier auch nur mit einem einfachen Führstrick übergeben wurde.

Beim Führen ist einiges zu beachten… (Foto: Jill Wellington / Pixabay)

Urlaub mit dem eigenen Pferd

Rund 890.000 deutsche Pferdebesitzer:Innen gibt es. Da ist nicht verwunderlich, dass viele auch den Urlaub mit ihnen verbringen und sich dabei ihrem Hobby widmen wollen. Viele Höfe bieten neben Zimmern und Reitunterricht daher längst auch Pferdeboxen an, die mitgemietet werden können. Mit dem eigenen Pferd im Gepäck verändern sich aber die Zuständigkeiten: Im Falle eines Sach- oder Personenschadens, der vom Tier verursacht wurde, haftet der Halter des Tieres, nicht der Hofbetreiber.

Die Regelung im BGB ist sogar mehr als eindeutig: Der Besitzer eines Pferdes, das kein Nutztier darstellt, haftet ausnahmslos und unabhängig vom eigenen Verschulden, und das sogar mit seinem gesamten Privatvermögen und selbst dann, wenn Dritte das Tier unerlaubt geritten haben. Der Grund: Schon die Haltung eines Reit- oder Zugtiers wird als Risiko eingestuft. Eine Pferdehaftpflichtversicherung ist daher mehr als ratsam.

Sicherheit durch Ausrüstung

Vorsicht ist besser als Nachsicht und das meint neben der eigenen Aufmerksamkeit und dem genannten Versicherungsschutz auch die Ausrüstung. Geht es auf den Pferderücken, sollten Reiter ausnahmslos angemessene Schutzkleidung tragen. Dazu gehören neben festem Schuhwerk oder Reitstiefeln vor allem ein gut sitzender Reithelm* und am besten eine Schutzweste*.

Auch ohne eine gesetzliche Pflicht zum Tragen des Helms kann man davon ausgehen, dass Anbieter von Reiterferien dies zur Pflicht machen. Und das nicht ohne Grund. Denn die häufigste Todesursache beim Reiten ist ein Schädel-Hirn-Trauma. Außerdem ist beim Ausreiten eine Warnweste, am besten mit Protektoren, sinnvoll, um von anderen Verkehrsteilnehmern nicht übersehen zu werden. Auch für die Pferde sind Schabracken oder Gamaschen in Signalfarben erhältlich und ein weiterer einfacher Schritt zu mehr Sicherheit.

Reithelme schützen (Foto: NoName_13 / Pixabay)

Nicht erlaubt und auch gefährlich

Sobald der Reiter sich mit seinem Pferd auf öffentlichen Straßen und Wegen bewegt, ist er ein Verkehrsteilnehmer und es gelten für ihn sinngemäß dieselben Regeln wie zum Beispiel für Fahrradfahrer. Das Pferd wird also genauso behandelt wie langsame Fahrzeuge. Das heißt für den Reiter, er hat sich genauso nach der Straßenverkehrsordnung zu richten und Verkehrsregeln zu beachten.

Daraus kann laut ARAG-Experten geschlussfolgert werden, dass die Nutzung des Handys beim Reiten verboten ist. Kopfhörer wiederum dürfen getragen werden, solange alle Warnsignale hörbar sind. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die Verwendung bei einer Unfallbeteiligung zu einer Mitschuld führen kann. Das gleiche gilt für Reiten unter Alkoholeinfluss. Tatsächlich findet sich in der Straßenverkehrsordnung keine Promillegrenze für Reiter, doch laut StVO sind Pferde nur dann auf der Straße zugelassen, wenn sie „von geeigneten Personen begleitet sind, die ausreichend auf sie einwirken können“.

Reiten oder Führen – Ein rechtlich relevanter Unterschied

In der Regel dürfen Reiter nur auf ausgewiesenen Wegen reiten. So sehen es die jeweiligen Waldgesetze der Bundesländer vor. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Wer sein Pferd abseits eines solchen Weges führt, muss nicht automatisch ein Bußgeld zahlen. In einem konkreten Fall sollte die Betreiberin eines Reiterhofes eine Geldstrafe zahlen, weil sie mit einer Reiter-Gruppe während eines Ausrittes den Reitweg verlassen hatte, um eine Rast einzulegen. Dabei waren die Reiter allerdings abgesessen und hatten die Tiere am Zügel vom Reitweg weggeführt. Nach Ansicht der Richter Grund genug, um die Geldstrafe aufzuheben, da im Sächsischen Waldgesetz explizit vom „Reiten“ und nicht vom „Führen“ eines Pferdes die Rede ist.

Vorsicht besser als Nachsicht

Grundsätzlich sollte man sich beim Umgang mit dem Pferd immer darüber im Klaren sein, das es sich bei ihm um ein Fluchttier handelt. Also gilt es, Um- und Vorsicht walten zu lassen, damit der Urlaub oder Ausritt mit dem Pferd ein unvergessliches Erlebnis wird – und das im positiven Sinne.

Verwendete Quellen: Pressemitteilung ARAG SE

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