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Clickertraining – positive Verstärkung fürs Pferd

Beim Training mit der positiven Verstärkung wird erwünschtes Verhalten belohnt und unerwünschtes Verhalten ignoriert. Die Belohnung (z.B. Futter, Kraulen, Lieblingsübung) wird über ein Lobwort oder einen Click angekündigt. Daher wird dieses Training oft auch als Clickertraining bezeichnet. Die Trainerin Cornelia Pfister hat viel Erfahrung damit und gibt uns nachfolgend einige Tipps und Infos für den Einstieg:

Der Fokus auf das erwünschte Verhalten schafft Klarheit

Die Fokussierung beim Clickertraining allein auf das erwünschte Verhalten sorgt für eine sehr klare und präzise Kommunikation zwischen dir und deinem Pferd: es ist für dein Pferd eindeutig, welches Verhalten von dir gefordert wird und die erwünschte Belohnung bringt. Zum Vergleich: wenn du deinem Pferd nur sagst, was es falsch macht, weiß es noch lange nicht, was richtig ist. Das frustriert und nimmt die Freude an der gemeinsamen Zeit. Im Extremfall führt das zu der sogenannten erlernten Hilflosigkeit.

Durch belohnungsbasierendes Training erwarten eure Pferde dagegen nur Gutes: sie können nur gewinnen. Deshalb arbeiten sie freudig und motiviert mit.

Foto: Cornelia Pfister

Freiwillige Zusammenarbeit geht vor!

Während des gesamten Trainings wird dein Pferd zu nichts gezwungen. Es kann und soll seine eigenen Entscheidungen treffen. Natürlich kommt es dann auch vor, dass es „Nein, das mache ich nicht!“ sagt. So eine Aussage wird nicht bestraft, ganz im Gegenteil: sie ist eine (neutrale!) Information: beispielsweise hat das Pferd den nächsten Trainingsschritt der Übung noch nicht verstanden und du solltest diesen noch einmal etwas genauer erklären. Oder es kann die Übung körperlich noch gar nicht umsetzen.

Vorteile im Training mit positiver Verstärkung

Auf diese Weise trainierst du neue Übungen deutlich schneller und pferdefreundlicher als mit den herkömmlichen Methoden. Dein Pferd wird anfangen, mitzudenken, Neues auszuprobieren und eigene Vorschläge in das Training mit einzubringen. Die Vielfalt an Übungen, die du gemeinsam mit deinem Pferd machen kannst, erweitert sich dadurch enorm.

Das Wichtigste dabei: die Pferde (und damit auch wir Menschen) haben unheimlich viel Spaß und Freude beim gemeinsamen Training.

Und der Nachteil?

Einen Nachteil hat diese Arbeitsweise jedoch: Genauso schnell, wie du das erwünschte Verhalten verstärkst, verstärkst du auch das unerwünschte Verhalten ?. Ich persönlich sehe diesen „Nachteil“ als großen Vorteil: ich merke sehr schnell, ob ich mein Training richtig aufgebaut habe und ob das Pferd verstanden hat, was ich ihm beibringen wollte – oder eben nicht. Das Tier hat dann nichts falsch gemacht, es zeigt mir nur das Verhalten, das ich belohnt habe. Auch das ist wieder eine wertvolle Information für mich: ich muss mein Training überdenken und anpassen.

Mögliche Bedenken und Vorurteile

Beim Clickertraining gibt es viele Vorurteile und Bedenken. Es ist völlig normal und auch wichtig, dass du dir vorher Gedanken machst und dir überlegst, ob etwas Neues auch zu euch passt. Schließlich möchtest du dir nicht irgendwelche Probleme einfangen, die du vielleicht gar nicht haben müsstest, nicht wahr? Deswegen sehen wir uns jetzt die häufigsten Bedenken genauer an:

Training mit Futter ist nichts für mein Pferd!

Die beim Training mit positiver Verstärkung am häufigsten genutzte Belohnungsform für das Pferd ist Futter. Das ist – wenn man aus der herkömmlichen Reiterwelt kommt – erst einmal sehr gewöhnungsbedürftig. Ganz ehrlich, mir ging es anfangs genauso. Insbesondere weil viele Pferde im Umgang mit Futter äußerst schwierig sind.

Inzwischen weiß ich, dass man die sogenannte Futterhöflichkeit gezielt trainieren kann. Das ist kein Hexenwerk und das Training geht – wenn man es richtig macht ? – auch sehr schnell. Die meisten Pferde benötigen nicht einmal eine Stunde, um die Basics der Futterhöflichkeit zu lernen! 

Ein Pferd, das im Umgang mit Futter höflich ist, hält selbst dann Abstand zum Menschen, wenn dieser in der Futtertasche wühlt.

Foto: Cornelia Pfister

Wenn mein Pferd freiwillig mitarbeiten und „nein“ sagen darf, macht es bestimmt gar nichts mehr!

Freiwilliges Miteinander bedeutet, dass unser Pferd ein Mitspracherecht hat. Freiwilligkeit kann man nicht erzwingen, d.h. man wird auch das ein oder andere Mal ein „Nein“ als Antwort von seinem Pferd bekommen.

Erfahrungsgemäß arbeiten Pferde sehr gerne mit und wollen vieles richtig machen. Du musst also keine Angst davor haben, wenn du das ein oder andere „Nein“ bekommst. Die Pferde haben ihre Gründe – auch wenn wir sie vielleicht nicht gleich erkennen können. Beispielsweise haben sie eine Übung noch nicht verstanden oder sie können die Übung gar nicht ausführen, weil sie Schmerzen haben. Darüber hinwegzugehen und sich ggfs. sogar mit Gewalt durchzusetzen, ist dem Tier gegenüber wirklich unfair.

Und ganz ehrlich: in den allermeisten Situationen ist es wirklich kein Problem, wenn man auf das Pferd Rücksicht nimmt und es respektiert, wenn es heute eine Übung, die es normalerweise kennt und kann, nicht machen möchte. Morgen sieht es vielleicht schon wieder ganz anders aus. Und wenn nicht, sollten wir uns an die Ursachenfindung machen.

Ist das Clickertraining für dich und dein Pferd geeignet?

Um dir diese Frage zu beantworten, habe ich ein E-Book geschrieben. Das Arbeitsbuch regt dich zum Nachdenken und zum Umsetzen an. In dem 55-seitigen Buch findest du Fragen zur Selbstreflexion, eine Aufgabe zum Trockentraining (Training ohne Pferd) und natürlich Übungen zum Nachtrainieren mit deinem Pferd.

Das Buch bietet dir einen unkomplizierten Einstieg in das Training mit der positiven Verstärkung. Du bekommst einen Fahrplan an die Hand, der dir zeigt, worauf es am Anfang ankommt. Wirf doch mal einen Blick hinein


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„Auf ein Pferd, das aus Angst gehorcht, ist kein Verlass. Es wird immer etwas geben, vor dem es sich mehr fürchtet, als vor dem Reiter. Wenn es aber seinem Reiter vertraut, wird es ihn fragen, was es tun soll, wenn es sich fürchtet.“

Antoine de Pluvinel

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