Zistrose in der Pferdefütterung: Wirkung,Anwendung und Erfahrungen
Beitrag von Kristin Trabandt
Viele Pferde reagieren sensibel auf Stress. Transporte, Turniere, Futterumstellungen oder Veränderungen in der Herde können das Immunsystem belasten und die Verdauung aus dem Gleichgewicht bringen. Vor diesem Hintergrund wächst das Interesse an natürlichen Pflanzenstoffen, die den Organismus ganzheitlich unterstützen. Eine Pflanze, die in den letzten Jahrzehnten verstärkt Beachtung findet, ist die Zistrose. Ursprünglich in der Mittelmeerregion beheimatet, wird sie heute auch in der Tierernährung geschätzt, weil sie reich an wertvollen sekundären Pflanzenstoffen ist.

Was ist Zistrose?
Die graubehaarte Zistrose, botanisch Cistus incanus, ist ein Strauch mit zarten rosafarbenen Blüten. Sie wächst bevorzugt auf trockenen Böden und ist an extreme klimatische Bedingungen angepasst. Diese Anpassung ist einer der Gründe für ihren außergewöhnlich hohen Gehalt an Polyphenolen.
Seit der Antike wird Zistrose in südlichen Ländern als Tee und zur äußeren Anwendung genutzt. Sie gilt als beruhigend für Schleimhäute und Haut und wurde häufig zur Stärkung des Allgemeinbefindens eingesetzt. Heute wird sie in der Phytotherapie und zunehmend auch in der Tierernährung geschätzt.
Pferde haben ein sensibles Verdauungs- und Immunsystem. Genau hier setzt die Zistrose an, denn ihre pflanzlichen Inhaltsstoffe können:
● das Immunsystem unterstützen
● antioxidative Prozesse im Körper ergänzen
● die Schleimhäute des Magen- und Darm-Trakts unterstützen
● den Fell- und Hautstoffwechsel begleiten
Wirkungsweise: Warum kann Zistrose für Pferde so gesund sein?
Cistus incanus (graubehaarte Zistrose) zählt zu den polyphenolreichsten Pflanzen Europas. Polyphenole sind natürliche Antioxidantien. Sie können dazu beitragen:
● freie Radikale zu neutralisieren und dadurch Zellen schützen
● die Regeneration zu unterstützen und dadurch das Immunsystem entlasten
Neben Polyphenolen wie Gerbstoffen enthält die Zistrose ätherische Öle und Harze. Diese Stoffe wirken synergetisch und unterstützen sowohl die inneren Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts als auch die Hautoberfläche.
Vorteile für Pferde
- Unterstützung des Immunsystems: Viele Pferdehalter nutzen Zistrose, um die natürliche Abwehr ihres Pferdes zu unterstützen. Besonders in der kalten Jahreszeit oder bei häufiger Belastung kann das sinnvoll sein.
- Positive Effekte auf Magen und Darm: Durch ihre Gerbstoffe kann Zistrose beruhigend auf gereizte Schleimhäute wirken. Pferde mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt profitieren oft von ihrer milden, natürlichen Wirkung.
- Haut und Fell: Da Haut und Fell stark vom Stoffwechsel und vom Immunsystem abhängen, zeigt sich eine gute Versorgung häufig zuerst dort. Viele Besitzer berichten
über ein glänzenderes Fell und eine robustere Haut.
Wann ist der Einsatz von Zistrose für Pferde sinnvoll?
Zistrose kann eine gute Ergänzung sein:
● im Fellwechsel
● bei Stress und hoher Belastung
● zur allgemeinen Unterstützung des Immunsystems
● bei empfindlichem Verdauungstrakt
● bei Pferden, die zu Haut- oder Fellproblemen neigen Empfohlen wird eine tierärztliche Rücksprache bei:
● tragenden Stuten
● akuten Erkrankungen
● Pferden, die empfindlich auf Gerbstoffe reagieren
Zistrose ist kein Ersatz für eine tierärztliche Behandlung.

Anwendung von Zistrose in der Praxis
Dosierung
Die passende Menge richtet sich nach dem Körpergewicht des Pferdes. Als allgemeiner Richtwert gelten etwa 5 bis 10 Gramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht und Tag. Bei erhöhtem Bedarf kann die Tagesmenge zeitweise angepasst werden (bis 20 Gramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht).
Zistrosenkraut wird meist als getrocknetes, geschnittenes Kraut verfüttert, das naturgemäß junge Triebe enthält. Zistrosengranulat ist feiner verarbeitet und kann sich für Pferde eignen, die empfindlich auf grobe Pflanzenstrukturen reagieren. Beide Formen lassen sich problemlos unter das Kraft- oder Raufutter mischen.
Viele Pferdehalter nutzen die Zistrose kurweise über einen Zeitraum von vier bis zwölf Wochen. Zwischen den einzelnen Fütterungsphasen wird eine Pause von etwa zwei Wochen eingelegt.
Qualität erkennen
Da Pflanzenqualität die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe stark beeinflusst, lohnt sich ein Blick auf Herkunft und Verarbeitung. Hochwertige Zistrose für Pferde erkennt man unter anderem an folgenden Punkten:
● Reines, naturbelassenes Kraut oder Granulat ohne Zusätze
● Bio-Qualität, idealerweise mit kontrollierter Herkunft und von Hand geerntet
● Schonende Verarbeitung
● Frischer, aromatischer Kräuterduft, der auf eine gute Verarbeitung hindeutet
● Klare Angaben zur botanischen Herkunft, bevorzugt Cistus incanus, einer polyphenolreichen Unterart
Ob Kraut oder Granulat bevorzugt wird, hängt häufig vom Pferd ab. Wichtig ist vor allem eine nachvollziehbare Qualität, da diese den natürlichen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen beeinflusst.
Quellenangaben:
● Pandalis Tiergesundheit: Warum Zistrose? (2025)
● Pandalis Tiergesundheit: Zistrose (Cistus incanus) als natürlicher Booster für die Pferdegesundheit: Wie Cistus Equine wirkt (2025)
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder Unsicherheiten zur Fütterung sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden!
Über die Autorin: Kristin Trabandt ist eine echte Pferdefreundin und arbeitet bei Dr. Pandalis. Sie verbindet ihr Wissen über natürliche Pflanzenstoffe wie etwa die Zistrose mit ihrer Liebe zu Pferden.
