Reiterin oder Reiter?

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Ist Reiten eine Frage des Geschlechts?

Lange Zeit waren der Pferdesport und das Reiten den Männern vorbehalten. Dieses Bild hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert. Mittlerweile stehen etwa 80 Prozent Reiterinnen nur noch etwa 20 Prozent Reitern gegenüber. Somit ist der Reitsport längst eine Frauendomäne geworden. Da der Reitsport einer der wenigen Sportarten ist, in der Frauen und Männer gegeneinander antreten, war es einmal interessant herauszufinden, ob das Geschlecht einen Einfluss auf die Reitleistung hat.
Lange Zeit waren der Pferdesport und das Reiten den Männern vorbehalten.

Im Umgang mit Pferden gelten Frauen oft als besonders einfühlsam. Ob dieses Image allerdings gerechtfertigt ist, haben Forschende der Vetmeduni Vienna einmal untersucht. Ihre Hypothese: „Frauen und Männer unterscheiden sich im Reiten und lösen beim Pferd unterschiedliche Reaktionen aus.“ Teamleiterin Christine Aurich und Erstautorin Natascha Ille untersuchten in diesem Zusammenhang acht Pferde sowie jeweils acht Reiterinnen und Reiter mit gleichem Trainingsstand.

Dabei wurde jedes Pferd sowohl von einer Frau als auch von einem Mann durch einen standardisierten Springparcours geritten. Jedes Mal untersuchten die WissenschafterInnen die Kortisolkonzentration im Speichel und die Herzschlagfrequenz von Pferd und Reiterin bzw. Reiter. Es stellte sich heraus, dass der Kortisolspiegel der Pferde während des Reitens zwar anstieg, allerdings stets in gleicher Weise und unabhängig vom Geschlecht des Reitenden.

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Reiten ist längst eine Frauendomäne geworden. Foto: pixabay

Auch bei den Reitenden waren das Ergebnis unabhängig vom Geschlecht bei allen Tests in etwa gleich. Die Herzschlagfrequenz veränderte sich bei den Reitenden mit der Gangart des Pferdes. Vom Schritt zum Galopp und zum Springen stieg die Frequenz bei beiden Geschlechtern an. Bei den Pferden stieg die Herzfrequenz während des Schrittreitens an, unabhängig davon ob eine Reiterin oder ein Reiter im Sattel saß, nahm aber während Trab und Galopp nicht weiter zu.

In einem weiteren Experiment untersuchten Ille und ihre Kolleginnen die Druckverteilung auf dem Rücken des Pferdes. Je nach Körperhaltung des Reiters oder der Reiterin kann ein Pferd schließlich über den Sattel einem mehr oder weniger großen Druck ausgesetzt sein. Mit speziellen Messgeräten, die zwischen Sattel und Pferd angebracht wurden, untersuchten die ExpertInnen die Druckverhältnisse während des Reitens im Schritt, Trab und Galopp.

Im Trab und besonders im Galopp war der Satteldruck bei Reiterinnen etwas geringer als bei den Reitern. Dies lässt sich jedoch auf das geringere Körpergewicht der Reiterinnen zurückführen und nicht auf eine unterschiedliche Körperhaltung beim Reiten. Insgesamt gab es also auch keine vom Geschlecht abhängigen wesentlichen Unterschiede in der Einwirkung der Reitenden auf den Rücken des Pferdes.

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Lange Zeit waren der Pferdesport und das Reiten den Männern vorbehalten. Foto: pixabay

„Aus der Sicht des Pferdes scheint es unerheblich zu sein, ob eine Frau oder ein Mann im Sattel sitzt. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass Pferde eine Vorliebe für das eine oder andere Geschlecht der Reitenden haben. Und wenn Reiter und Reiterinnen in gleichen Wettbewerben starten, haben beide auch die gleichen Chancen in der Platzierung ganz nach vorne zu kommen“, so Christine Aurich.

Sicherlich läßt sich aus diesem Experiment keine allgemeingültige Regel ableiten, aber im Endeffekt scheint das Geschlecht der ReiterInnen für Pferde keinen Unterschied zu machen. Ich denke, das hier vielmehr die persönliche Einstellung zum Tier und der Umgang mit ihm die entscheidende Rolle spielt, unabhängig vom Geschlecht.

Quelle: "Veterinärmedizinische Universität Wien"


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