Protestritt durchs Brandenburger Tor

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Medizinstudent reitet als Marlboro Cowboy

Medizinstudenten der deutschlandweit aktiven Organisation Aufklärung gegen Tabak planen am Weltnichtrauchertag einen Ritt durch das Brandenburger Tor in Berlin, um ein Tabakwerbeverbot einzufordern. Im Galopp geht es dann weiter zum Berliner Hauptbahnhof: Der als Marlboro Cowboy verkleidete Medizinstudent steigt vom Pferd, setzt sich an ein simuliertes Lagerfeuer zu einem ebenfalls verkleideten Kommilitonen und singt durch ein Kehlkopfmikrofon ein eigens komponiertes Lied (online abspielbar). Der Appell geht an die Kanzlerin, die der Initiative im Juni letzten Jahres den mit 5.000 Euro dotierten Bundespreis im Berliner Kanzleramt verlieh.
Reiter ist Medizinstudent Titus Brinker, Gründer der mittlerweile weltweit größten Lobby gegen das Rauchen: Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Aufklärung gegen Tabak mit über 700 Medizinstudenten an 31 Fakultäten vertreten und klärt Schüler im Einstiegsalter altersgerecht über das Thema Rauchen auf (gegentabak.de) - in drei weiteren Ländern ist sie ebenfalls aktiv. Erst von der Kanzlerin ausgezeichnet, nun diese Forderung: Ist man undankbar? Titus: "Nein. Meinen Mitstreitern und mir ist jedoch leider klar, dass unsere Aufklärung sich niemals so effektiv auf das Rauchverhalten unserer Bevölkerung auswirken wird, wie ein Verbot für Tabakwerbung dies könnte.

Niemals wird ein ehrenamtliches Projekt - auch nicht gefördert durch einen mit 5.000 Euro dotierten Bundespreis - eine Chance gegen rund eine Milliarde Marketingausgaben pro Jahr durch die Tabakindustrie in Deutschland haben." Deutschland ist das letzte Land in der EU, in dem die Kinowerbung nach 18 Uhr und die Außenwerbung für Tabakprodukte noch keinen Beschränkungen unterliegen. Nach dem WHO Report über die globale Tabakepidemie von 2013 beginnen etwa 1/3 der Jugendlichen auf Grund von Werbung mit dem Rauchen.

David gegen Goliath

Titus schrieb einen Brief an die Kanzlerin und die über 700 Medizinstudenten der Initiative stimmten dafür, diesen Brief an die Kanzlerin abzuschicken (gegentabak.de/brief). "Ohne öffentlichen Druck macht das aber leider keinen Sinn", meint Titus Brinker und weiter: "An fast jeder Schülerbushaltestelle in Deutschland wird das Rauchen beworben. Dabei werden positive Dinge - wie ein romantischer Kuss, oder ein Gitarrenspieler am Lagerfeuer - mit der Zigarette verknüpft. Über klassische Konditionierung wird dem Schüler so subtil vermittelt, dass die Zigarette zu positiven Ereignissen im eigenen Leben führt. Dies ist eine Unwahrheit, die wir regelmäßig während unseres Studiums und noch mehr später als Ärzte vor Augen geführt bekommen."

Jugendliche werden wie Pawlowsche Hunde konditioniert

Der Verein Aufklärung gegen Tabak steht für informierte Entscheidungen und bemängelt, dass die Information, der sich Jugendliche hauptsächlich ausgesetzt sehen, unwahre Werbebotschaften sind. "Allein sieben Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronisch obstruktiver Lungenerkrankung - unheilbar und zu über 90% durch Rauchen verursacht. Wir wollen nicht, dass die Schüler die wegsterbenden Kunden ersetzen."

Sinkende Raucherquoten bei Jugendlichen in Deutschland?

Brinker lächelt müde: "Nach der KiGGs Studie aus dem Jahr 2014 rauchen über ein Drittel der 17 jährigen Schüler/innen, dies habe ich leider noch in keiner Pressemitteilung gelesen. Stattdessen applaudiert man in den letzten Jahren, dass insgesamt bei den 12-17 jährigen Jugendlichen nur noch etwa 10% regelmäßig rauchen. Diese Zahlen zeigen aber eher ein relativ hohes Einstiegsalter; als eine relevante Senkung der tabakbedingten Erkrankungen. Von den heute täglich rauchenden Jugendlichen wird nach Berechnungen der American Lung Association etwa die Hälfte an tabakbedingten Erkrankungen versterben - ich denke daher nicht, dass man diese Zahlen als Erfolg feiern sollte."

Quelle: "presseportal.de"



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