Pferde als Co-Trainer

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Neumodischer Kram oder innovative Methode?

Der zentrale Dreh- und Angelpunkt jeglichen menschlichen Zusammenlebens ist die Kommunikation, aber genau da liegt häufig das Problem. Missverständnisse führen nicht selten zu Verstimmungen oder gar Konflikten sowohl im Privat- wie im Berufsleben. Werden die Verstimmungen und Konflikte nicht bereinigt, ziehen diese oft eine langfristige Schädigung des Zusammenlebens nach sich. Abhilfe schafft hier nur das Überdenken der eigenen verbalen und nonverbalen Kommunikation, wobei der nonverbale Anteil häufig sträflich vernachlässigt wird. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber, dass der nonverbale Anteil (Körpersprache, Gestik und Mimik) mit über 90% einen wesentlichen Bestandteil unserer Kommunikation ausmacht. Und genau da setzt das Konzept des pferdegestützten Trainings an.

Aus der Psychologie kennt man verschiedene Persönlichkeits-Modelle für Menschen, u.a. das DISG-Modell, beruhend auf der Arbeit des Psychologen William Moulton Marston. Das Modell beschreibt die Ausprägungen von Verhaltenstendenzen. Auf dieser Basis seiner Untersuchungen definierte Marston die folgenden vier Grundtypen der Persönlichkeit, wobei in der Praxis neben der Präferenz der Ausprägung auch zahlreiche Mischformen bestehen:

Dominant (D) = extrovertiertes und aufgabenorientiertes Verhalten
Initiativ (I) = extrovertiertes und menschenorientiertes Verhalten
Stetig (S) = introvertiertes und menschenorientiertes Verhalten
Gewissenhaft (G) = introvertiertes und aufgabenorientiertes Verhalten

Nicht nur beim Menschen, auch bei Pferden zeigen sich verschiedene Persönlichkeitstypen. Bereits 1993 erfand Pat Parelli den Begriff "Horsenality“, um die verschiedenen Persönlichkeiten der Pferde in verständlichen, praktikablen Kategorien einteilen zu können. Dabei geht es in erster Linie darum, dass Pferde, genau wie wir Menschen auch, unterschiedliche Persönlichkeiten und Bedürfnisse haben. Die vier Persönlichkeitstypen nach Parelli sind: (Originaltextquelle: Parelli-Instruktoren)

Left Brain extrovertiert:

Hierzu gehören Pferde, die einen sehr verspielten Charakter haben und viel Abwechslung brauchen. Sie lernen schnell und beginnen deshalb eigenen Ideen zu entwickeln, wenn es ihnen zu langweilig wird.

Left Brain introvertiert:

"Left-Brain-Pferde" wissen genau, was sie wollen und sie sind nicht dazu bereit, Menschen irgendetwas von sich aus zu geben, außer man belohnt sie ihren Vorstellungen entsprechend angemessen. Diese Pferde lesen ihre Menschen wie offene Bücher und auch, wenn sie auf den ersten Blick eher faul erscheinen - ihr Gehirn ist es definitiv nicht!

Right Brain extrovertiert:

Diese Pferde sind sehr schnell verwirrt und ängstlich. Daher ist es wichtig, ihnen die Dinge so einfach wie möglich zu machen. Dies hilft ihnen, sich besser entspannen zu können und sich so nicht dauernd überfordert zu fühlen.

RightBrain introvertiert:

Diese Pferde sind eher schüchtern, ruhig und zurückhaltend. Sie vermeiden jede Art von Druck, indem sie sich schnell zurückziehen. Daher ist es wichtig, langsam mit ihnen zu arbeiten und genügend Wiederholungen einzubauen.

Pferde als Co-Trainer
Pferde geben uns eine klare Rückmeldung (Foto: pixabay)

Normalerweise leben Pferde in einem Herdenverband mit fester Rangordnung. Dieser Herdenverband der Pferde gleicht auch der Struktur eines Unternehmens, eines Teams und auch der familiären Struktur, beginnend mit der Leitfunktion der Geschäftsführung, des Vorstandes oder des Familienoberhauptes. Entscheidend für das erfolgreiche Zusammenleben und -arbeiten bzw. dessen positive Entwicklung ist der Kommunikations- und Führungsstil.

Die Herde wird von einer erfahrenen Leitstute angeführt. Sie ist in der Regel ein älteres Tier mit einem umfangreichen Erfahrungsschatz über Weide- und Rastplätze. Sie weiß, wie man Fohlen erzieht und entscheidet bei Gefahr, wie sich die Herde zu verhalten hat. Der Leithengst ist dagegen für das Zusammenleben und die Verteidigung der Herde verantwortlich. In jedem Herdenverband besteht eine strikte Rangfolge. Diese Ordnung dient dem Schutz der Herde und trägt zum harmonischen Zusammenleben bei. Neben Leitstute und Leithengst hat jedes Herdenmitglied eine festgelegte Position. Den rangniedrigeren Tieren gibt dies ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit und Sie wissen genau, was sie dürfen und was nicht.

Was können nun z.B. Führungskräfte und Teamleiter in einem Workshop von Pferden als Co-Trainer lernen? Zur Reflektion des Führungs- und Kommunikationsstils, dessen Auswirkung und Botschaft eignen sich Pferde als Co-Trainer ganz besonders. Pferde als Fluchttiere und soziale Wesen reagieren direkt und ausschließlich auf die Körpersprache des Menschen und lassen sich nicht von aufgesetztem oder vorgespieltem Verhalten täuschen, auch von Statussymbolen lassen sie sich nicht beeinflussen. Dabei besitzen Pferde eine hohe Teamfähigkeit, eine hohe Sozialkompetenz und eine äußerst flexible Anpassungsfähigkeit. Sie beobachten sehr genau und geben klare Rückmeldung, direkt, einfach und gerade heraus. Damit sind sie gute Kommunikatoren, von denen Menschen nicht nur in Führungspositionen viel lernen können.

Seit Jahren boomt daher auch der Markt für pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung, aber es gibt viele Unterschiede in der Qualität der Anbieter. Daher sollte man auch hier nur auf seriöse Angebote setzen, die bestimmte Qualitätsmerkmale einhalten...

Verwendete Quellen: PMS Personalmanagement


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Kommentare (2)

  • Lea

    20 Februar 2018 um 10:41 |
    Ich finde die Persönlichkeiten eines Pferdes spielen eine entscheidende Rolle. Seitdem ich mehr darauf achte klappt vieles besser als vorher.

    antworten

    • Pferdekult

      20 Februar 2018 um 11:04 |
      Das mit den Persönlichkeiten ist bei uns Menschen ja auch nicht anders :)

      antworten

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