Sommerfohlen sind größer

Saisonaler Effekt bei Fohlengeburten

Sowohl der Tag-Nachtwechsel als auch die Jahreszeiten beeinflussen nicht nur unseren Lebenszyklus, sondern auch den unserer Tiere. In den Wintermonaten reduzieren z.B. Wildpferde ihren Stoffwechsel, die Wärmeproduktion und die ausgestrahlte Wärme verringern sich. Auch bei unseren domestizierten Pferden, bei denen die saisonale Anpassung noch genetisch verankert ist, trifft dies zu. Obwohl dies schon länger bekannt ist, waren die Auswirkungen auf die Trächtigkeit von Stuten und die damit verbundenen Konsequenzen für ungeborene Fohlen bislang unklar. Forscher der Vetmeduni Vienna haben dies nun näher untersucht und fanden heraus, dass Fohlen, die im Winter geboren werden, kleiner sind als im Sommer geborene Pferde.

Stoffwechselumstellung beeinflußt Wintergeburten

Die Pferdeföten machen in den letzten Wochen vor der Geburt den größten Entwicklungsschub, daher ist dieser Zeitraum wichtig für die Entwicklung der Fohlen. Bei einem Geburtstermin in der kalten Jahreszeit liegt daher der Schluss nahe, dass sich die Stoffwechselumstellung der Stute bedingt durch den saisonalen Einfluss auch auf den Fötus auswirkt. Zur Bestätigung dieser Annahme wurden 27 Stuten und ihre Fohlen am Graf Lehndorff Institut für Pferdewissenschaften nach Geburtszeitpunkt in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe hatte den Termin Februar bis Anfang März, die zweite März bis Anfang April und die dritte April bis Anfang Mai. Von allen Fohlen wurden Gewicht und Größenmerkmale erfasst. Zusätzlich wurde nach der Geburt die Plazenta gewogen und vermessen.

Winter-Fohlen kleiner

Verglichen wurden der Brustumfang, die Widerristhöhe, der Abstand vom Fesselgelenk zum Vorderfußwurzelgelenk und dann zum Ellenbogen sowie die Länge des Kopfes vom Genick bis zur Nase. Anhand dieser Größenmerkmale zeigte sich eindeutig, dass die im Februar geborenen Jungtiere der ersten Gruppe kleiner waren, als die im Frühsommer geborenen. Die im Winter geborenen Fohlen hatten auch zwölf Wochen nach der Geburt diesen körperlichen Rückstand noch nicht komplett aufgeholt. Beim Geburtsgewicht hingegen konnte keine Unterschied festgestellt werden, obwohl sowohl das Gewicht als auch die Oberfläche der Plazenta der wintergebärenden Stuten geringer waren als die der anderen Tiere.

Stute mit Fohlen

Der kleinere Mutterkuchen deutet auf die Stoffwechselumstellung der Stuten hin. Trotzdem scheint die Versorgung der Föten aber auch im Winter aufgrund des gleichen Körpergewichts absolut ausreichend zu sein. Die Plazenta ist damit zwar ein Faktor, aber nicht der einzige oder entscheidende. Auch die Geburtenzahl einer Stute spielt anscheinend keine Rolle, denn der Effekt war auch bei erstgebärenden Tieren vorhanden.

Wintergeburten in der Zucht häufiger

Da die meisten Stuten nur über einen begrenzten Zeitraum im Frühjahr und Sommer paarungsbereit sind, stellen Wintergeburten im Normalfall eigentlich eine Seltenheit dar. In der Natur erfolgen die meisten Geburten daher auch erst in den wärmeren Monaten. Durch moderne Zuchtmethoden werden Wintergeburten aber vor allem bei Renn- und Sportpferden häufiger. Mit künstlichem Licht, hormoneller Behandlung, aber auch bereits mit einer Optimierung von Fütterung und Haltung können die genetisch verankerten saisonalen Änderungen verschoben oder reduziert werden.

Herde mit Fohlen

Häufig spielen dabei wirtschaftliche Aspekte eine Rolle, denn auch wenn die Winterfohlen mehr als zwölf Wochen brauchen, um im Vergleich mit den im Sommer geborenen Fohlen gleichzuziehen, so sind sie ihnen insgesamt Wochen oder Monate in der weiteren Entwicklung voraus. Dieses Zeitfenster kann vor allem bei Wettbewerben eine Rolle spielen, schließlich treten alle Jungpferde, die im gleichen Jahr geboren wurden, auch in der gleichen Wertungskategorie an.

Fütterung ohne Einfluss

Bei den Untersuchungen konnten die Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien einen Einfluss der Fütterung ausschließen, da alle Stuten während ihrer Trächtigkeit mit dem gleichen Futter und der gleichen Menge gefüttert wurden. Dies bestätigt, dass deren Stoffwechselumstellung saisonal und genetisch bestimmt ist und die Nährstoffversorgung der Föten und damit die Auswirkung auf ihre Größe durch diesen Effekt bestimmt wird. Wie ist es bei deinem Pferd, wurde es als Sommer- oder Winterfohlen geboren?

Quelle: "Veterinärmedizinische Universität Wien"



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