Studie belegt: Pferde sind Herdentiere

Gestresste Stallpferde

Nicht nur Pferde in freier Wildbahn bleiben lieber in Sichtweite ihrer Artgenossen, auch unsere domestizierten Vierbeiner verhalten sich nervös und aufgeregt, wenn sie von ihrer Gruppe getrennt werden. Doch leider lebt die Mehrzahl der Hauspferde immer noch in Einzelboxen, welche die Möglichkeit für artgerechte Sozialkontakte mehr oder minder stark einschränkt.
Boxenhaltung
Einzelboxen bieten kaum Kontaktmöglichkeiten (Foto: pixabay)

So ist das Ergebnis einer britischen Studie auch nicht verwunderlich, die die Untersuchung verhaltensmäßiger und physiologischer Reaktionen aufgestallter Hauspferde unter verschiedenen Haltungsbedingungen zum Ziel hatte. Im Rahmen dieser Untersuchung unterteilten Wissenschaftler der Nottingham Trent University 16 Pferde in vier Gruppen. Jede Testgruppe wurde in einer von vier verschiedenen Haltungsformen untergebracht:

Vier Pferde wurden separiert und einzeln gehalten - ohne physischen Kontakt zu Artgenossen. Eine weitere Gruppe war ebenfalls in Einzelboxen untergebracht, konnte aber andere Pferde sehen und hören (Semikontakt). Eine weitere Testgruppe wurde paarweise aufgestallt mit der Möglichkeit zum Vollkontakt zu ihren Stallgenossen. Schließlich gab es vier Pferde, die uneingeschränkte soziale Beziehungen untereinander pflegen konnten.

Pferdeherde
Pferde sind Herdentiere (Foto: pixabay)

Fünf Tage lang war jede dieser Testgruppen der entsprechenden Haltungsform ausgesetzt, bevor sie für weitere zwei Tage auf einem Graspaddock verweilten konnte und anschließend in eine neue Stallsituation untergebracht wurde.

Das Verhalten der Tiere wurde bei jedem einzelnen Testdurchlauf mit Hilfe von Video-Kameras beobachtet und dokumentiert. Gleichzeitig bestimmten die Wissenschaftler das im Kot vorhandene und in der Nebennierenrinde produzierte Hormon Corticosteron und ermittelten so die Stressreaktion der Pferde. Auch die Temperatur der Augenoberfläche, einem weiteren Stress-Marker, wurde mit Hilfe von Wärmebildern erfasst.

Wenig überraschend war das Ergebnis der Untersuchungen: Die isoliert gehaltenen Vierbeiner waren deutlich schwieriger im Handling, während die Pferde in den Kleingruppen ein natürliches Verhalten ähnlich dem freilaufender Artgenossen zeigten. Die einzeln im Stall untergebrachten Tiere wiesen eine höhere Menge an Corticosteron auf. Im Vergleich dazu war die gemessene Augentemperatur bei den in einer Gruppe gehaltenen Versuchspferden deutlich niedriger.

Pferde in der Herde
So sollten Pferde leben dürfen (Foto: pixabay)

Somit legen die Resultate der Studie nahe, dass eine Isolierung von Pferden durch eine Stallhaltung, die den Kontakt mit anderen Artgenossen einschränkt oder verhindert, den Stress bei den Vierbeinern erhöht. Nur in der Gruppenhaltung können Pferde ihre natürlichen Verhaltensweisen weitestgehend artgerecht ausleben und damit ihr Wohlbefinden aufgrund der Wechselbeziehungen zwischen den Herdenmitgliedern verbessern.

Quelle: Anke Klabunde, aid.de



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