Schmerzäußerungen beim Pferd

Veröffentlicht in Pferdegesundheit

Pferde haben keine Schmerzlaute

Alle Einwirkungen, die zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung des Wohlbefindens führen, bezeichnet man als Schmerzen. Allerdings lassen sich diese mit wissenschaftlichen Methoden nicht messen, da sie eine subjektive Empfindung darstellen. Beim Pferd sind das Vorhandensein und insbesondere das Ausmaß von Schmerzen nur sehr schwer einzuschätzen, da es diese im Vergleich zu anderen Tierarten nur wenig über Verhaltensreaktionen anzeigt.

Die Erkennung von Schmerzen beim Pferd ist deshalb nur durch Abweichungen vom normalen Verhalten wahrnehmbar. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Wahrnehmung von Schmerz sowohl zwischen Mensch und Pferd als auch zwischen Pferden untereinander sehr unterschiedlich erfolgt.

Abgesehen von eindeutig sichtbaren, körperlichen Schäden kommuniziert das Pferd mögliche schmerzhafte Prozesse u. a. über Mimik, Gestik und Körperhaltung. Durch die Kombination verschiedener Signale, die das Pferd mit seinem Kopf (Ohren, Augen, Nüstern, Lippen) und seinem Körper (Hals, Nacken, Beine, Schweif) gibt, kann es eine Vielzahl von Signalen geben. Bei einem Schmerzgeschehen geben diese Körpersignale jedoch nur in einer bestimmten Relation zueinander Auskunft über das Vorhandensein von Schmerzen. Eindeutige Merkmale für schmerzhafte Gliedmaßen oder Huferkrankungen sind z.B. das Schonen der Extremitäten (Lahmheit), eine ungewöhnliche Körperhaltung, ein unsicherer oder steifer Gang oder ungleichgewichtiges Stützen.

Pferdeblick
Pferde haben keine Schmerzlaute, sie können nur durch ihr Verhalten auf sich aufmerksam machen! Foto: pixabay

Darüber hinaus kann das Pferd Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Allerdings sind die Veränderungen im Verhalten meist relativ unspezifisch, so dass durchaus auch andere Ursachen in Frage kommen. Dies können Stressfaktorwen im Umfeld, erlerntes Verhalten oder Defizite in der Haltung und der Fütterung sein. Um diese als Anzeichen für die Schmerzempfindung nutzen zu können, bedarf es einer langen, aufmerksamen Beobachtung. Man muss das Pferd und sein artspezifisches Verhalten schon genau kennen, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Da Pferde keine spezifischen Schmerzlaute von sich geben, ist die Fehlerquelle dennoch hoch.

Selbst Lern- und Lebenserfahrungen der Tiere beeinflussen die Schmerzschwelle und damit das Reaktionsmuster der Pferde. Akute und chronische Schmerzen führen ebenfalls zu unterschiedlichen Verhaltensweisen. Dabei reicht die Palette vom ängstlichen Meideverhalten bis hin zu erhöhter Aggressivität oder völliger Apathie. Die fehlende Lautäußerung von Pferden in Schmerzsituationen jedoch birgt die Gefahr, den Schmerz des Tieres entweder nicht ausreichend wahrzunehmen oder ihn unterzubewerten. Daher bleibt uns letztendlich nur, Veränderungen bei unseren Pferden zu hinterfragen und diese aufmerksam zu beobachten.

Quelle: Anke Klabunde, aid.de

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