Resistenzen bei Wurmkuren

Veröffentlicht in Pferdegesundheit

Die Gefahr nimmt zu

Die meisten Pferdehalter möchten ihren Pferden eine möglichst artgerechte Haltung bieten, und da gehört der tägliche Weidegang natürlich dazu. Allerdings haben wohl die wenigsten Pferdefreunde genügend Flächen zur Verfügung, damit die Pferde kilometerweit wandern und ihren Mist entsprechend weitläufig absetzen können. Daraus ergibt sich das Problem, dass die Tiere in relativ kurzen Abständen immer wieder die gleichen Plätze aufsuchen und die Gefahr der Verwurmung folglich steigt.

Noch extremer ist das Ganze natürlich bei Boxenhaltung. Um dem entgegenzuwirken und den Verwurmungsdruck zu senken, äppeln verantwortungsbewußte Pferdehalter die Weiden regelmäßig ab bzw. misten die Boxen in kurzen Abständen aus. Dazu kommen in den meisten Fällen regelmäßige Wurmkuren, die den Pferden oft mehrmals im Jahr verabreicht werden. Dabei ergeben sich allerdings einige Probleme: Wenn man die Wurmkuren vernachlässigt, können die Parasiten Überhand nehmen und das Pferd schädigen, entwurmt man zu häufig, wird das Pferd und sein Organismus durch den Chemiecocktail sehr stark belastet.

Abäppeln
Hygiene ist wichtig bei der Parasitenvermeidung (Foto: pixabay)

Ein weiters Problem durch die häufigen Wurmkuren ist die Gefahr, dass Parasiten und Würmer Resistentzen gegen bestimmte Wurmkuren entwickeln, genau so wie es beim Menschen im Fall von Antibiotika bereits eingetreten ist. Aufhorchen läßt hier eine Studie schwedischer Forscher, die nun zum ersten Mal Resistenzen bei Spulwürmern gegen das Wurmmittel Pyrantel bei Fohlen nachgewiesen haben. Dazu führten die Wissenschaftlerin Frida Martin und ihren Kollegen von der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften im Zeitraum von September 2016 bis Mai 2017 sogenannte Eizahlreduktionstests an insgesamt 142 Fohlen von neun schwedischen Gestüten durch.

Für die Studie wurden Fohlen ausgewählt, die gesund waren und mindestens 150 Parasiten-Eier pro Gramm Kot (EpG) aufwiesen. Entwurmt wurden die Tiere mit den gängigen Wirkstoffen Pyrantel oder Fenbendazol jeweils nach Herstellerangaben. Die Ergebnisse waren ziemlich ernüchternd: Bei vier von elf Gruppen, die mit Pyrantel behandelt worden waren, zeigte sich eine Wirksamkeit von weniger als 85 % und 10 bis 16 Tage nach der Behandlung schieden 43% der Tiere noch Parasiten-Eier aus. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass dieses Wurmmittel keine effektive Bekämpfung des Parasitenbefalls mehr gewährleistet.

Pferdeäpfel
Parasitenbefall eingrenzen (Foto: pixabay)

Im Fall von Fenbendazol sah es im Gegensatz dazu anders aus. Hier wies nur eine der sechs behandelten Gruppen eine beobachtete Wirksamkeit von weniger als 90 % auf und nur 6 % der behandelten Fohlen haben 10–16 Tage nach der Behandlung noch Parasiten-Eier ausgeschieden. Das Resümee der schwedischen Wissenschaftler fiel im Hinblick auf Wirksamkeit und Resistenzen bei Wurmmitteln in Schweden folglich ziemlich ernüchternd aus: Da bereits in früheren Untersuchungen die Resistenz gegen Ivermectin bei Spulwürmern nachgewiesen werden konnte, ist es wahrscheinlich, dass mittlerweile multiresistente Populationen in schwedischen Zuchtbetrieben vorhanden sind.

Es ist davon auszugehen, dass es in änderen Ländern zumindest ähnlich aussieht. Experten fordern daher schon länger eine Neuausrichtung der Entwurmungsstrategie, bei der die Vermeidung oder Verzögerung der Resistenzentwicklung im Vordergrund steht. Die selektive Entwurmung bei Pferden bei Pferden bietet dabei viele Vorteile, da hier an Hand von regelmäßigen Kotproben ermittelt wird, ob ein Tier überhaupt gesundheitsgefährdend verwurmt ist und nur dann wird eine Wurmkur beim Pferd durchgeführt. Die gesamte Studie der schwedischen Forscher kannst du übrigens hier in englischer Sprache noch einmal nachlesen.


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