Pferdehaar als nachhaltiger Rohstoff

Fellwechsel beim Pferd – welcher Pferdehalter kennt nicht die unzähligen Pferdehaare beim Bürsten. Da kommt im Laufe der Zeit so einiges an „Wolle“ zusammen. Könnte man diese Pferdehaare nicht sinnvoll als neue Faserquellen nutzen und nachhaltige Produkte daraus entwickeln? Dieser Frage ist Mag. Annabell Eder im Rahmen einer Masterarbeit im Studiengang Ecodesign am Campus Wieselburg nachgegangen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit standen dabei nicht die bereits vereinzelt genutzten Schweif- und Mähnenhaare, sondern die deutlich kürzeren Haare aus dem Fellwechsel.

Foto: Alexas Fotos / Pixabay

Aufwendige Rohstoffsammlung

Im Vorfeld wurden für das Forschungsprojekt knapp 31 Kilogramm Rohfaser gesammelt. Unterstützt wurde die Sammlung von zahlreichen privaten Pferdehalterinnen und Pferdehaltern. Die Qualität der Haare variierte dabei stark – abhängig davon, ob die Haare direkt vom Pferd oder vom Boden gesammelt wurden, wie intensiv die Tiere gepflegt waren und wie sorgfältig die Sammlung erfolgte. Neben den Haaren enthielt das Material naturgemäß häufig auch Staub, Heu und weitere Verunreinigungen. Daher diskutierten die Forschenden bereits mögliche Verbesserungen für eine spätere industrielle Nutzung – darunter spezielle Sammelbürsten oder zentrale Sammelstellen an Reitsportzentren und im Landhandel. Die chemischen Analysen bestätigten dann aber die typische Zusammensetzung keratinbasierter Naturfasern und ordneten das Material eindeutig als tierischen Naturrohstoff ein.

Foto: Pferdekult

Erste textile Versuche

Zunächst ging man der Frage nach, ob sich die Fellwechselhaare technisch zu Vliesstoffen verarbeiten lassen. Erste Musterfertigungen erfolgten beim Unternehmen Groz-Beckert. Dabei zeigte sich, dass die glatten und kaum gekräuselten Fasern nur schwer zu verarbeiten sind. An der Hochschule Hof wurden deshalb unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Claus-Ekkehard Koukal gezielte Versuche zur Vliesbildung durchgeführt.

Dabei wurden die Pferdehaare mit anderen natürlichen beziehungsweise naturähnlichen Fasern kombiniert. Besonders aussichtsreich erwies sich die Einbettung der Pferdehaare zwischen zwei Wollvliesen mithilfe der bekannten Vernadelungstechnik. Daraus könnten künftig Anwendungen etwa im Bereich von Pferdedecken oder der Schallabsorption entstehen. Grundsätzlich zeigten die Ergebnisse, dass Pferdehaar durchaus als nachhaltiger Textilrohstoff geeignet ist, auch wenn bei der sicheren Einbindung der Fasern noch weiterer Forschungsbedarf besteht.

Nachhaltige Perspektiven

Versuche mit Lyocellfasern sowie Verfahren wie Wasserstrahl- und Vernadelungstechnik führten bereits zu ersten funktionsfähigen Vliesstoffen. Die Forschenden sehen auf jeden Fall darin ein großes Potenzial für nachhaltige textile Anwendungen und neue Materialkonzepte im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Durchgeführt wurde die Masterarbeit von Mag. Annabell Eder in Zusammenarbeit mit Dipl.-Ing. Dr. Emmerich Haimer und Prof. Dr. Claus-Ekkehard Koukal, der auch der wissenschaftliche Ansprechpartner ist.

Verwendete Quellen: Pressemitteilung Hochschule Hof – University of Applied Sciences

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