Lavinia Löschnig im Interview

Manchmal sind es besondere Wege, die einen zu den Pferden führen. Bei Lavinia Löschnig war es eine schwere, lebensbedrohliche Krankheit, die ihr letztendlich den Weg zu ihnen wies. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt war die Pferdetherapie am wundervollen LICHTBLICKHOF ihr Weg zurück ins Leben. Sofort verliebte sich Lavinia in diese besonderen Geschöpfe und beschloss, auch ihre berufliche Zukunft mit ihnen zu gestalten.

Foto: Lavinia Löschnig

Sie absolvierte die Pferdewirtschaftsfachschule Norbertinum in Tullnerbach-Pressbaum und bestand diese Ausbildung mit Auszeichnung. Anschließend machte sie ihre Fachmatura in Pferdewirtschaft an der landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn sowie am Erzbischöflichen Gymnasium. Dies war auch die Basis, aufgrund dessen Lavinia bei der Plattform Equidamus aufgenommen wurde.

Besonders die Rehabilitation und die Gesunderhaltung der Pferde haben es der jungen Frau angetan und hier sieht sie auch ihre berufliche Zukunft. Um mehr über Lavinia und ihre konkreten Vorstellungen zu erfahren, haben wir ihr einige Frage gestellt:

Zunächst vielen Dank Lavinia, dass Du Dir die Zeit für unsere Fragen nimmst. Kommen wir gleich zur ersten: Was fasziniert Dich besonders an Pferden?

Bitte, sehr gerne. Ich glaube, am meisten fasziniert mich an Pferden ihr sensibles und feinfühliges Gespür und Wesen. In Momenten von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, kann einem das unglaublich viel Kraft schenken, wenn man auch ohne ein Wort zu sprechen verstanden wird.

Foto: Lavinia Löschnig

Kannst Du Dich noch an Dein bisher außergewöhnlichstes Erlebnis mit Pferden erinnern? Welches war das?

Mhm, da gab es so einige. Aber das wohl außergewöhnlichste Erlebnis mit Pferden mache ich immer dann, wenn ich ein sogenanntes „Seelenpferd“ treffe. Für mich gibt es davon bereits ein paar. Das sind dann immer Pferde, mit denen es am Anfang oft arbeitsintensiver ist, aber eine gewisse Grundverbindung bereits besteht. Es sind dann Momente puren Vertrauens, wie einen Ausritt im Sturm allein zu bewältigen, weil man den Anschluss verloren hat oder auch die Reitprüfung durch mentale und körperliche Symbiose reiten kann. Diese Pferde sind für mich sehr außergewöhnlich und besonders.

Was ist Deiner nach wichtig beim Umgang mit Pferden?

Das ist ein sehr weites Feld, aber meiner Meinung nach ist es wichtig, das Pferd genau zu beobachten und lesen zu können. Bereits beim Betreten des Stalles. Dabei kann man sich selbst fragen: Wie geht es meinem Pferd? Oder Wie ist mein Pferd heute gelaunt? Um nur ein paar Fragen zu nennen. Es geht einfach darum, im Umgang mit Pferden eine genaue Beobachtungsgabe zu entwickeln und danach dann ruhig zu handeln.

Die Gesundheit der Pferde ist für Dich ein wichtiges Thema. Worauf müssen wir hier achten?

Bei diesem Thema gibt es vieles, worauf zu achten ist. Da es sich bei Pferden um Lebewesen handelt, ist es wie bei Menschen immer am Individuum orientiert. Je nach physischem und psychischem Zustand des Pferdes ist des individuell zu betreuen. Dafür ist es notwendig, die Geschichte des Pferdes zu kennen. Viele Menschen glauben, es ist genug, den Tierarzt und Osteopathen regelmäßig zu bestellen bzw. ausreichend Heu und Wasser bereitzustellen. Dies ist das Minimum.

Foto: Lavinia Löschnig

Um ein Pferd langfristig gesund und fit zu erhalten, gilt es viele Faktoren zu beachten. Zumal müssen einmal die Grundbedürfnisse des Pferdes als Wesen Pferd erfüllt werden wie z. B. die Herdenhaltung, Freiflächen zum Laufen und ausreichend Rohfaser und Wasser. Im weiteren Sinne sollten die Hufe regelmäßig fachgerecht behandelt werden und der Tierarzt zu Kontrollen geholt werden. Dies sind die Grundbedürfnisse und Gesundheitsstandards.

Hinzu kommen jetzt noch die Bedürfnisse des Wesen Pferdes, wenn es um die mentale und körperliche Gesundheit geht. Jeden Tag das gleiche Training oder gar keine Bewegung sind wenig zielführend. Pferde lernen extrem gerne, einige mehr als andere, aber alle Pferde sind von Natur aus neugierig und aktiv. Diese Triebe sollten in das Training mit einbezogen sein – wie ein abwechslungsreiches Training aus Reiten, Spazieren und Bodenarbeit.

Zum Lernen und auf Aktivität folgen auch immer Ruhephasen zur Entspannung und Erholung. Dies sind die Rahmenbedingungen, um ein Pferd gesund in allen Bereichen zu halten. Um noch einen Punkt zu nennen, ist die Selbstbildung im Umgang mit Pferden ein Muss. Ohne Fachwissen, dass stetig weitergebildet wird, ist ein artgerechter Umgang mit Pferden nicht möglich.

Gibt es jemanden in der Pferdewelt, der Dich besonders inspiriert und wenn ja, weshalb?

Da ich selbst seit langen Jahren Westernreiterin bin, orientiere ich mich natürlich an den amerikanischen Profireiter:Innen wie Stacy Westfall und Country Sängerinnen wie z.B. Miranda Lambert. Natürlich kenne ich auch genügend europäische Profireiter:Innen wie Frau Jessica von Bredow-Werndl, die stetig selbst an sich arbeitet und auch für ihre Pferde alles tut, dass es ihnen gut geht.

Foto: Lavinia Löschnig

Was genau umfasst Dein Angebot und wie stellst Du Dir Deine berufliche Zukunft mit den Pferden vor?

Mein Angebot bezieht sich auf spezifische Themen im Themenfeld der Pferdegesundheit. Unter anderem stützt sich mein Angebot auf meine langjährige Erfahrung im Umgang mit verschiedenen Pferden und wie sie und Menschen positiv beeinflussen. In meinen Tageskursen übe ich mit den Teilnehmer:Innen die eigene Schulung der Wahrnehmung und eine positivere Verbindung zu ihrem Pferd zu schaffen. Speziell die Themen zu Hyperflexion (Überdehnung des Pferdes) sowie das Burnout-Syndrom bei Sportpferden.

Da ich auch Pferdewirtin bin, biete ich auch online Angebote zum Grundwissen im Umgang mit Pferden an. Meinen weiteren Weg in der Pferdebranche sehe ich in der Rehabilitation sowie Prävention in der Pferdegesundheit. Zum großen „Ziel“ zähle ich noch weitere Fortbildung z. B. zum Vitalcoach für Pferde oder Manager für den Pferdesport – sowie ein eigenes Pferde-Gesundheitszentrum zu eröffnen.

Welchen Rat möchtest Du zum Schluss anderen Pferdefreunden noch mit auf den Weg geben?

(Zwinkernd) Ein Rat, den ich wirklich jedem Pferdefreund mitgeben kann ist: glaube und höre auf dich selbst in erster Linie. Auch, wenn uns das nicht wirklich bewusst ist, aber die großen Lebensentscheidungen treffen wir aus Intuition heraus. So auch im Pferdesport. Wissen um die Dinge ist eine Sache. Aber für sich selbst – und hier auch für ein anderes Lebewesen Gutes zu wissen und tun ist immer die bessere Entscheidung. Mit Wissen, Können und Mut vorangehen.

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