Julie von Bismarck zur Kritik am Pferdesport
Die Weltmeisterschaften in Aachen 2026 sind zwar schon vorbei, aber die Kritik am Pferdesport läßt trotzdem nicht nach. Im Vorfeld der Wettbewerbe wurde Julie von Bismarck in mehreren Presse- und Interviewanfragen gefragt, warum der Pferdesport heute zunehmend in der Kritik steht und weshalb sie sich öffentlich dazu äußere. Ihre Antwort darauf ist einfach:

Mich überrascht die Kritik der Öffentlichkeit überhaupt nicht, denn sie entsteht nicht durch Kritiker wie mich – sie entsteht durch die Bilder, die der Sport selbst produziert. Ein Sport, in dem Pferde mit schmerzverzerrten Gesichtern, blauen Zungen, unter zugeschnürten Luftwegen, panisch geblähten Nüstern oder sogar blutend im Wettkampf zu sehen sind, darf sich nicht darüber wundern, wenn immer mehr Menschen diese Bilder mit Entsetzen betrachten.
Hinzu kommen Trainingsmethoden, die regelmäßig dokumentiert werden und bei denen Zwang, Gewalt und massiver Druck als legitime Mittel zur Leistungssteigerung erscheinen. Dass dies in der breiten Öffentlichkeit auf Ablehnung stößt, ist weder überraschend noch irrational. Was mich persönlich betrifft, beruht meine Kritik nicht auf Ideologie. Sie beruht auf jahrzehntelanger Beschäftigung mit der Biologie, dem Verhalten und den Instinkten des Pferdes. Und deshalb weiß ich, wie außergewöhnlich gut Pferde Schmerzen verbergen können.
Pferde sind Fluchttiere. Das Verbergen von Schmerzen gehört zu ihren wichtigsten Überlebensstrategien. Bereits kleinste Anzeichen körperlicher Schwäche konnten in der Evolution darüber entscheiden, ob ein Tier von einem Raubtier ausgewählt wurde. Und genau deshalb weiß ich auch, wie viel passieren muss, bevor Schmerzen überhaupt sichtbar werden. Wenn ein Pferd seine Schmerzen so deutlich zeigt, dass Millionen Fernsehzuschauer sie erkennen können, dann ist das für mich kein kleiner Zwischenfall – es ist ein Alarmsignal.
Ich wünsche mir deshalb eine öffentliche Debatte, die sich weniger mit der Frage beschäftigt, warum Menschen diese Bilder kritisieren. Die entscheidende Frage lautet aus meiner Sicht nicht, warum Menschen diese Bilder kritisieren. Sie lautet: Warum werden diese Bilder überhaupt noch produziert?
Julie von Bismarck
Autorin und Pferdeexpertin
Verwendete Quellen: Pressemitteilung Julie von Bismarck
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