Herzensangelegenheit Pferd

Das Herz ist ein lebenswichtiges Organ, sowohl bei uns Menschen als auch beim Pferd. Wenn der Tierarzt bei der Kaufuntersuchung oder dem jährlichen Impftermin ein Herzgeräusch feststellt, dann löst dieser Befund erst einmal Sorge beim Pferdebesitzer aus. Bedeutet dies, dass mit dem Herzen des Pferdes etwas nicht stimmt oder das Pferd künftig nicht mehr geritten werden darf?

Was steckt hinter einem Herzgeräusch?

In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein für die Herzgesundheit bei Pferden deutlich gewachsen – auch weil moderne Diagnostik heute präzisere Einblicke in die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems erlaubt. Herzerkrankungen können sich in Leistungsinsuffizienz äußern und die Leistungsfähigkeit eines Pferdes spürbar beeinträchtigen. Typische Anzeichen sind nachlassende Kondition, schnelle Ermüdung, plötzliche Leistungseinbrüche oder ein unregelmäßiger Puls. Manche Pferde wirken träge, husten bei Belastung oder zeigen eine verlängerte Erholungszeit nach dem Training.

Am häufigsten treten beim Pferd Klappenundichtigkeiten oder Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern auf. Sie entstehen meist durch alters- oder trainingsbedingte Veränderungen und verlaufen in vielen Fällen mild oder werden nur zufällig entdeckt. Bei Vollblütern und Trabern sind Rhythmusstörungen etwas häufiger zu beobachten, da ihr Herz-Kreislauf-System durch intensive Belastung stärker beansprucht wird. Auch Hochleistungspferde zeigen häufiger trainingsassoziierte Anpassungen des Herzmuskels, die in Einzelfällen funktionelle Veränderungen nach sich ziehen können.

Foto: Hanseklinik für Pferde

Da Pferde Herzerkrankungen lange kompensieren können, empfiehlt sich laut der Hanseklinik für Pferde eine Untersuchung bereits dann, wenn noch keine klinischen Symptome vorliegen. Kleine Veränderungen von Atmung, Puls oder Leistungsbereitschaft können bereits frühe Hinweise liefern. Bei fortgeschrittener Herzschwäche treten häufig Wasseransammlungen im Unterbauch oder an der Brust auf, in seltenen Fällen auch Gewichtsverlust oder auffällige Pulswellen an der Drosselvene. Solche deutlichen Anzeichen sollten unbedingt tierärztlich abgeklärt werden.

Moderne Diagnostik für präzise Ergebnisse

Zur Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems stehen in der Hanseklinik für Pferde verschiedene moderne Verfahren zur Verfügung. Nach der klinischen Untersuchung – mit Kontrolle von Puls, Schleimhäuten, Durchblutung sowie Herz- und Lungengeräuschen – folgen weitergehende kardiologische Untersuchungsverfahren. Dazu zählen Herzultraschall zur strukturellen und funktionellen Beurteilung des Herzens, Belastungs- und Langzeit-EKGs zur Erfassung von Herzfrequenz und Rhythmusstörungen sowie bei Bedarf Blutuntersuchungen zur Beurteilung von Herzmarkern, Elektrolythaushalt und Stoffwechselparametern. Diese Kombination ermöglicht eine sichere Einschätzung, ob und in welchem Umfang ein Herzproblem besteht und wie sich das Pferd künftig belasten lässt.

Foto: Hanseklinik für Pferde

Prognose und Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei Vorhofflimmern kann eine elektrische oder medikamentöse Kardioversion eingesetzt werden, bei Klappeninsuffizienzen kommen – je nach Schweregrad – herzwirksame Medikamente zum Einsatz. Laut Dr. Weiß von der Hanseklinik lassen sich in vielen Fällen die Befunde stabil halten, auch wenn eine vollständige Heilung nicht immer möglich ist. Nicht jedes Pferd mit Herzgeräusch muss geschont werden. Entscheidend ist die individuelle Beurteilung durch den Tierarzt oder die Tierärztin. Leichte Veränderungen erlauben oft weiterhin ein angepasstes Training oder den Einsatz im Freizeitbereich. Regelmäßige Nachuntersuchungen helfen, Veränderungen früh zu erkennen und das Trainingsniveau rechtzeitig anzupassen.

Verantwortung und Prävention

Ein ausgewogenes Trainingsmanagement, ausreichende Regenerationsphasen, eine pferdegerechte Haltung und gute Fütterung sind die beste Grundlage für ein gesundes Herz. Zudem empfiehlt die Hanseklinik, das Herz regelmäßig im Rahmen von Routinekontrollen oder Impfprophylaxen abzuhören – unabhängig davon, ob das Pferd aktiv im Sport eingesetzt wird oder nicht. Wer Veränderungen früh wahrnimmt und abklären lässt, schützt die Herzgesundheit seines Pferdes – und damit auch dessen Leistungsfähigkeit und Lebensfreude.

Faktencheck zum Herz – wusstest Du das?

  • Das Gewicht des Herzens beträgt 0,7–1,7 % der Körpermasse, bei einem Warmblüter also etwa 5 bis 6 kg
  • Seine Größe beträgt etwa 25–30 cm Länge und 18–20 cm Breite
  • Das Herz liegt im Brustkorb des Pferdes zwischen der dritten und sechsten Rippe, leicht nach links geneigt
  • Sein Ruhepuls liegt bei durchschnittlich 28–44 Schlägen pro Minute
  • Der Belastungspuls bei Spitzenleistung liegt bei bis zu 220–240 Schlägen pro Minute
  • Das Schlagvolumen pro Herzschlag beträgt etwa 900–1200 ml Blut
  • Die Blutmenge im Körper des Pferdes liegt bei ca. 8–10 % des Körpergewichts (bei einem 600-kg-Pferd also rund 50 Liter Blut)
  • Ein einmaliger Blutumlauf durch den gesamten Pferdekörper dauert 20–25 Sekunden

Verwendete Quellen: Pressemitteilung Hanseklinik für Pferde

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