Die denkwürdige Geschichte eines Klassikers

Jürgen Grande
„DAS GYMNASIUM DES PFERDES“ – DIE DENKWÜRDIGE GESCHICHTE EINES KLASSIKERS

1886, also vor 140 Jahren, erschien zum ersten Mal „Das Gymnasium des Pferdes“, ein bis heute unbestrittener und anerkannter Klassiker der Reitliteratur. Sein direkter und indirekter Einfluss auf die Reitlehre ist ungebrochen.

Auch im Literaturkanon der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nimmt er nach wie vor eine prominente Position ein:

„Wenn es ein Buch gibt, das keine Fragen rund um die dressurmäßige Ausbildung vom Anreiten eines Pferdes bis zur hohen Schule unbeantwortet lässt, dann ist es das ‚Gymnasium des Pferdes‘ von Gustav Steinbrecht. ‚Die Strahlungskraft seines Geistes erneuert sich im Wandel der Zeiten. Keine Irrlehre, auch nicht die so genannte Schnell-Ausbildung hat Bestand vor den Steinbrecht’schen Grundsätzen.‘ (H.H. Brinckmann, Warendorf, im Vorwort), zu denen auch der bekannte Satz ‚Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade‘ gehört. Für Steinbrecht ist Dressur nicht Selbstzweck, sondern Gymnastizierung im Sinne des Individuums Pferd. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist für alle seriösen Publikationen zur klassischen Reitlehre, wie auch für die praktizierte klassische Reitkunst das „Gymnasium des Pferdes“ richtungsweisend.“ (FN-Verlag 2025)

Frage: Wie kann ein Buch, das erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts erschien, schon ab 1850 richtungsweisend gewesen sein?

Aber nicht nur diese Ungereimtheit macht stutzig. Wer sich eingehend mit der Entstehung und weiteren Entwicklung dieses Werks beschäftigt, wird zu folgendem Schluss gelangen müssen:

Gustav Steinbrecht ist nicht der originäre Autor, er hat es also nicht selbst schriftstellerisch vollendet. Als eigentlicher Verfasser gilt Steinbrechts Schüler und Vertrauter Paul Plinzner, der das „Gymnasium“ redigierte und mit eigenen Kapiteln ergänzte, um es dann in drei Auflagen herauszubringen, die letzte 1901. Aber damit nicht genug: 1935 veröffentlichte Hans von Heydebreck in vierter Auflage eine erneute, von ihm besorgte Bearbeitung des Werkes, welche bis heute bei der FN als gültige Vorlage angesehen und gedruckt wird, was wohl der nach wie vor herausragenden historischen Stellung Heydebrecks innerhalb der FN geschuldet ist.

In dem hier vorliegenden Artikel, der als PDF zum Download bereit steht, hat Jürgen Grande die wesentlichen Aspekte zusammengetragen, die die Hintergründe und Motivationen beleuchten, welche letztendlich zur Entstehung des „Gymnasium des Pferdes“ beigetragen haben.

Jürgen Grande ist seit Jahrzehnten mit Pferden innig verbunden, betreibt regelmäßig pferdeliterarische Studien und hat mit „Minimal Horsemanship“ eine eigene praktische Anwendung entwickelt, um Anfängern als auch Fortgeschrittenen eine zeitgemäße, alternative Art des Umgangs mit Pferden und des Reitens nahezubringen. Grande ist zudem Autor diverser Fachartikel, die auch hier auf pferdekult.de verfügbar sind.

Kürzlich erschien bei Book on Demand sein Buch „Der Pferd der hat 3 Beiner“, in welchem er seine eigene Philosophie darstellt und immer wieder wichtige Fragen aufwirft, die es zu beantworten gilt.

Kontakt: MinimalHorsemanship@email.de

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